Predigt zu Sara (Gen. 11 - Gen. 23)
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Gott segne Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde,
sollte Gott etwas unmöglich sein? Lassen Sie uns heute, an diesem dritten Sonntag mit Zuversicht, bei der Geschichte von Sara, der Frau des Abraham aus dem 1. Buch Mose Zuversicht schöpfen.
Ich will Ihnen dazu drei Episoden aus der spannende Geschichte der Sara erzählen. Es ist die Geschichte einer Frau, die ihrem Leben große Enttäuschungen und große freudige Überraschungen erlebt hat. Sie war schwach – und sie war mächtig. Beides war dabei. Es war wie im wirklichen Leben von Frauen, auch heute. Und ich will Ihnen davon erzählen, was für eine Rolle Gott, JHWH wie er in der hebräischen Bibel genannt wird, in diesem Frauenleben gespielt hat.
Aber nun zu Sara:
Sie wird zum ersten Mal erwähnt in einem Stammbaum, im 11. Kapitel des ersten Buch Mose. Sie wird dort erwähnt als Frau des Abraham und mit dem Beisatz: „Sara war unfruchtbar. Sie hatte kein Kind."
Das geht ja schon gut los. Mitten in diesem Stammbaum taucht eine Frau auf, ohne dass ihre Vorfahren dabeistehen, aber mit dem Beisatz: „Sie war unfruchtbar." – und als ob das noch nicht klar genug wäre, noch einmal der gleiche Sachverhalt: „Sie hatte kein Kind" Mit diesen beiden kleinen Sätzchen ist das Grundproblem von Sara schon benannt. Eine Frau ohne Kinder, das war damals schnell eine Frau im Nichts. Kinder waren die Absicherung für die Zukunft, fürs Alter. Kinderlosigkeit wurde als besonders schlimmes Schicksal verstanden. Erst Kinder verschafften einer Frau Status im Familienclan. Saras Geschichte beginnt, als ob sie keine Zukunft hätte. Und gleichzeitig wird Abraham, ihrem Mann, der Segen Gottes und eine besonders große Nachkommenschaft verheißen.
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen.
Gott segne Reden und Hören. Amen.
Liebe Gemeinde,
sollte Gott etwas unmöglich sein? Lassen Sie uns heute, an diesem dritten Sonntag mit Zuversicht, bei der Geschichte von Sara, der Frau des Abraham aus dem 1. Buch Mose Zuversicht schöpfen.
Ich will Ihnen dazu drei Episoden aus der spannende Geschichte der Sara erzählen. Es ist die Geschichte einer Frau, die ihrem Leben große Enttäuschungen und große freudige Überraschungen erlebt hat. Sie war schwach – und sie war mächtig. Beides war dabei. Es war wie im wirklichen Leben von Frauen, auch heute. Und ich will Ihnen davon erzählen, was für eine Rolle Gott, JHWH wie er in der hebräischen Bibel genannt wird, in diesem Frauenleben gespielt hat.
Aber nun zu Sara:
Sie wird zum ersten Mal erwähnt in einem Stammbaum, im 11. Kapitel des ersten Buch Mose. Sie wird dort erwähnt als Frau des Abraham und mit dem Beisatz: „Sara war unfruchtbar. Sie hatte kein Kind."
Das geht ja schon gut los. Mitten in diesem Stammbaum taucht eine Frau auf, ohne dass ihre Vorfahren dabeistehen, aber mit dem Beisatz: „Sie war unfruchtbar." – und als ob das noch nicht klar genug wäre, noch einmal der gleiche Sachverhalt: „Sie hatte kein Kind" Mit diesen beiden kleinen Sätzchen ist das Grundproblem von Sara schon benannt. Eine Frau ohne Kinder, das war damals schnell eine Frau im Nichts. Kinder waren die Absicherung für die Zukunft, fürs Alter. Kinderlosigkeit wurde als besonders schlimmes Schicksal verstanden. Erst Kinder verschafften einer Frau Status im Familienclan. Saras Geschichte beginnt, als ob sie keine Zukunft hätte. Und gleichzeitig wird Abraham, ihrem Mann, der Segen Gottes und eine besonders große Nachkommenschaft verheißen.
Die Geschichte startet also mit einem merkwürdigen Paar. Abraham mit der Verheißung auf viel Nachkommenschaft, einen großen Namen und Segen und Sara, einer Frau ohne Vergangenheit und ohne Zukunft, weil sie kinderlos ist. Und beide sind aneinander gebunden. Wie kann sich dieses Dilemma lösen?
Und schon gerät Sara in Gefahr. Denn die erste Geschichte, die von ihr erzählt wird, hätte beinahe das Aus für Sara bedeutet. Abraham und Sara geraten in eine Hungersnot und müssen nach Ägypten fliehen. Abraham bekommt es mit der Angst, dass der Pharao seine schöne Frau sehen und wollen könnte und ihn, Abraham, umbringen. Deshalb greift er zu einer Lüge und behauptet, Sara sei gar nicht seine Frau, sondern seine Schwester. Er rettet sich auf Kosten seiner Frau. Sara, die vermeintliche Schwester, wird – mehr wie ein Gegenstand als ein Mensch - in den Harem des Pharao übergeben. Abraham erhält als Gegenleistung reichlich Vorteile, von Schafen, Rindern, Eseln, Knechten und Mägden ist die Rede. Alles sieht so aus, als hätte sich das Grundproblem vom Anfang zu ungunsten von Sara gelöst: „Unfruchtbare Frau günstig und mit gutem Erlös in den Harem des ägyptischen Herrschers losgeworden." Doch Abraham, der in dieser Geschichte gar nicht gut aussieht, hat die Rechnung ohne Gott gemacht. JHWH greift ein. Wörtlich heißt es: „Da schlug JHWH aber den Pharao mit großen Plagen wegen Sara." Gott also hat gesehen und gehört, welches Unrecht der Sara geschehen ist.Der Pharao entdeckt, dass Abraham ihm eine Lüge über Sara erzählt hat und gibt sie zurück. Sara ist gerettet und Abraham und Sara können Ägypten als reiche Leute verlassen.
In dieser ersten ausführlichen Episode geschieht mit Sara etwas, was für viele Frauen leider heute noch Realität ist. Zu sagen haben sie nichts. Sie werden nicht nach ihrer Meinung gefragt, sondern sind ein Spielball in Männerwelten. Es gibt Mädchenhändlerringe und Zwangsprostituion und es gibt Gewalt in der Familie, über die oft niemand redet.
In dieser ersten ausführlichen Episode geschieht mit Sara etwas, was für viele Frauen leider heute noch Realität ist. Zu sagen haben sie nichts. Sie werden nicht nach ihrer Meinung gefragt, sondern sind ein Spielball in Männerwelten. Es gibt Mädchenhändlerringe und Zwangsprostituion und es gibt Gewalt in der Familie, über die oft niemand redet.
Sara wird hier zum typischen Opfer. Ihr Mann bereichert sich auf ihre Kosten. Sie wird in die Gewalt des Pharao verkauft wie ein Stück Vieh. Sie ist der Gewalt schutzlos ausgeliefert – fast schutzlos. Das einzig Gute an dieser Episode ist, dass die Bibel hier nichts beschönigt. Der Vorgang wird genauso brutal beschrieben, wie er ist, obwohl die ganze Geschichte kein gutes Bild auf den Stammvater Abraham wirft. Und das allerbeste daran ist, dass es da unsichtbar doch noch einen gibt, der die Ungerechtigkeit sieht und die Hilferufe, die Sara bestimmt zum Himmel geschickt hat, auch wirklich hört. Diese Episode erzählt, wie so oft in der Bibel, dass Gott auf der Seite derer ist, deren Recht mit Füßen getreten wird. Und diese Episode macht Hoffnung, dass es auch gut ausgehen kann für die Opfer, weil Gott eingreift, und ihnen Recht verschafft.
Sara versucht nun, in der zweiten Episode, ihr Grundproblem der Kinderlosigkeit mithilfe ihrer ägyptischen Sklavin Hagar zu lösen. Wörtlich heißt es: „Da sagte Sara zu Abraham: JHWH hat mich verschlossen, um zu gebären. Geh doch zu meiner Sklavin, vielleicht gebäre ich von ihr her." Der Plan scheint aufzugehen, Hagar wird schwanger und bekommt einen Sohn, Ismael, doch schon mit Beginn der Schwangerschaft kommt es zu großen Konflikten zwischen den beiden Frauen, Sara der Herrin – und Hagar, der Sklavin. Sara verkraftet nicht, dass diese Frau das einzige haben soll, was ihr versagt blieb, ein Kind und Hagar hofft, dass genau dieses Kind ihre schwierige Situation als Sklavin aufbessern kann. Sara ist nun kein Opfer mehr. Sie wird jetzt selber eine brutale Machthaberin. Von Sara heißt hier wörtlich „Sie unterdrückte Hagar schwer…" und das führt dazu, dass Hagar in ihrer Verzweiflung an einen Brunnen in die Wüste flieht und Gott ihr Elend klagt. Auch hier greift Gott wieder ein. Wieder zugunsten einer schutzlosen Frau. Er schickt Hagar einen Engel an den Brunnen, verheißt auch ihr seinen Segen und reiche Nachkommen, schickt sie zunächst wieder zu der brutalen Herrin zurück und als sie ein zweites Mal, diesmal mit ihrem Kind in die Wüste flieht, begleitet er sie durch die Wüste.
In dieser zweiten Episode hat sich einiges geändert. Sara ist zu einer selbstbewussten Ehefrau geworden, die alle Fäden in der Hand hält. Kein Gedanke mehr daran, sie hätte dem Abraham nichts zu sagen. In dieser Episode führt sie das Regiment. Ihre Ideen werden umgesetzt. Nun benutzt sie ihre äygytische Sklavin für ihre Zwecke. Sie behandelt sie genauso respektlos, wie sie vorher von Abraham behandelt worden ist. Sie kann mit Macht genauso wenig umgehen, wie manche machthabende Männer. Neid und Konkurrenz lassen sie gehässig und unbarmherzig zu der anderen Frau werden. Neuere Untersuchungen in der Frauenforschung bestätigen genau das. Frauen in Machtpositionen, auch wenn es immer noch weniger sind als Männer, gehen deshalb nicht automatisch gut und verantwortlich mit ihrer Macht um. Natürlich gibt es auch gute und verantwortungsvolle Chefinnen. Allein dass sie Frauen sind, macht sie aber noch nicht an sich zu freundlicheren Machthaberinnen.
Auch hier bleibt die biblische Geschichte ganz realistisch. Und das schöne ist. Sie fügt die Perspektive der anderen Frau, die Perspektive von Hagar hinzu, wie ein Spiegelbild, das auch gesehen werden soll. Wieder kommt das Opfer neben der Täterin in den Blick. Und Gott steht folgerichtig diesmal nicht auf der Herrinnenseite Saras, sondern begleitet Hagar an den Brunnen in der Wüste, segnet und tröstet sie – und begleitet sie auf ihrem weiteren Weg.
Zurück zu Sara und Abraham: Die beiden sind inzwischen über 90 Jahre alt und erleben in der dritten Episode eine ihre verrücktesten und vielleicht auch bekanntesten Geschichten. Abraham bekommt Besuch von drei geheimnisvollen Personen, von denen die Bibel gleich sagt, es sei JHWH erschienen. Er bewirtet sie mit überaus großer Gastfreundschaft. Sara verfolgt das Ganze aus ihrem Zelt heraus und bekommt hinter ihrer Zeltwand mit, dass die geheimnisvollen Männer ihr im Laufe des nächsten Jahres ein eigenes Kind verheißen. Sie kann nicht anders und muss lachen, genauso wie Abraham gelacht hat, als er kurz vorher schon einmal diese Verheißung gehört hatte. Und doch passiert das Unglaubliche. Sara bekommt einen eigenen Sohn und nennt ihn Isaak, Jitzchack, das Lachen. Das Kind wird zu einem lebenden Symbol dafür, dass durch Gott auch unmöglich scheinendes möglich wird. Sara und Abraham haben trotz der ganzen Wirren miteinander ein Kind. Die Verheißung vom Anfang erfüllt sich trotz allem.
In dieser dritten Episode drückt sich am deutlichsten die große Hoffnung aus, die die ganze Geschichte von Sara und Abraham durchzieht. Am Anfang hatten sie keine guten Startvoraussetzungen. Wie sollten sich ausgerechnet an diesen beiden die segensreichen Verheißungen Gottes erfüllen. Wie sollte das gehen, mit diesem Abraham, der sein Land verlassen hatte und dieser Sara, die ohnehin keine Kinder bekommen konnte, zu einem großen Volk in einem eigenen Land zu werden? Doch Gott war mit ihnen. Gott war immer im richtigen Moment auf der richtigen Seite.
Als Abraham seine Frau im Stich ließ, rettete Gott Sara und gab damit auch Abraham die Möglichkeit zu einem Neuanfang.
Als Sara ihre Sklavin ausnutzte, war Gott an der Seite von Hagar, ohne jedoch Sara ganz fallenzulassen.
Und als beide, Sara und Abraham, miteinander alt geworden waren und sich damit abgefunden hatten, keine gemeinsamen Nachkommen zu haben, schenkte ihnen Gott das Lachen, Jitzchak, Isaak, schenkte ihnen ein völlig unerwartetes Glückskind, mit dem sie überhaupt nicht mehr gerechnet hätten.
Es gäbe noch mehr Geschichten zu erzählen.
Übrigens soll Sara 127 Jahre alt geworden sein und ein feierliches Grab und Begräbnis erhalten haben, bei dem Abraham um sie trauerte und weinte. Ein langes Kapitel erzählt davon.
Doch mir geht es jetzt mehr darum, die wichtigsten Erkenntnisse aus der Sarageschichte für heute festzuhalten.
Sie lauten für mich: Nichts muss so enden, wie es angefangen hat. Es kann auch ganz überraschend anders ausgehen. Auch in unserem Leben.
Wo Gott ist, das ist ganz klar. Gott hört und sieht diejenigen, die unter die Räder kommen. Die ungerecht Behandelten, die um Hilfe Schreienden, die Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Gott ist an ihrer Seite und sie können hoffen, dass er ihnen Recht schafft, trotz allem.
In Sara und Abraham sieht das jüdische Volk die Wurzeln seiner Geschichte, die Wurzeln eines Volkes, das immer wieder in Gefahr kam – und für das das eigene Land ein Dauerthema wurde, bis heute.
In dieser Geschichte hatte auch der Jude Jesus seine Wurzeln.
Christinnen und Christen glauben, dass in diesem Jesus Gott selbst da war und ist – und weiter an der Seite der Opfer ist, der Gepeinigten, egal ob Männer oder Frauen. Und sie glauben auch, dass er selber zum Opfer von Gewalt wurde, aber dabei die Gewalt besiegt hat.
Halten wir uns daran fest, versuchen wir, an der Seite der Opfer zu sein, mit Macht verantwortlich umzugehen und uns von der Hoffnung tragen zu lassen: Nichts muss so enden, wie es angefangen hat. Gott wird auch an unserer Seite sein. Amen.
Als Sara ihre Sklavin ausnutzte, war Gott an der Seite von Hagar, ohne jedoch Sara ganz fallenzulassen.
Und als beide, Sara und Abraham, miteinander alt geworden waren und sich damit abgefunden hatten, keine gemeinsamen Nachkommen zu haben, schenkte ihnen Gott das Lachen, Jitzchak, Isaak, schenkte ihnen ein völlig unerwartetes Glückskind, mit dem sie überhaupt nicht mehr gerechnet hätten.
Es gäbe noch mehr Geschichten zu erzählen.
Übrigens soll Sara 127 Jahre alt geworden sein und ein feierliches Grab und Begräbnis erhalten haben, bei dem Abraham um sie trauerte und weinte. Ein langes Kapitel erzählt davon.
Doch mir geht es jetzt mehr darum, die wichtigsten Erkenntnisse aus der Sarageschichte für heute festzuhalten.
Sie lauten für mich: Nichts muss so enden, wie es angefangen hat. Es kann auch ganz überraschend anders ausgehen. Auch in unserem Leben.
Wo Gott ist, das ist ganz klar. Gott hört und sieht diejenigen, die unter die Räder kommen. Die ungerecht Behandelten, die um Hilfe Schreienden, die Frauen, die Opfer von Gewalt geworden sind. Gott ist an ihrer Seite und sie können hoffen, dass er ihnen Recht schafft, trotz allem.
In Sara und Abraham sieht das jüdische Volk die Wurzeln seiner Geschichte, die Wurzeln eines Volkes, das immer wieder in Gefahr kam – und für das das eigene Land ein Dauerthema wurde, bis heute.
In dieser Geschichte hatte auch der Jude Jesus seine Wurzeln.
Christinnen und Christen glauben, dass in diesem Jesus Gott selbst da war und ist – und weiter an der Seite der Opfer ist, der Gepeinigten, egal ob Männer oder Frauen. Und sie glauben auch, dass er selber zum Opfer von Gewalt wurde, aber dabei die Gewalt besiegt hat.
Halten wir uns daran fest, versuchen wir, an der Seite der Opfer zu sein, mit Macht verantwortlich umzugehen und uns von der Hoffnung tragen zu lassen: Nichts muss so enden, wie es angefangen hat. Gott wird auch an unserer Seite sein. Amen.
Pfrin. Bärbel Wassmer (Sonntag Okuli; Sieben Wochen mit Zuversicht; 15.3.2020, Maulburg)
