Die Johanneskirche hat ihren Namen von Johannes dem Täufer, der nach den Erzählungen der Bibel Jesus am Jordan getauft hatte. Dieser Name stammt noch aus der Zeit vor der Reformation, in der viele Kirchen nach Heiligen oder nach Figuren aus der Bibel benannt wurden.
Es wird vermutet, dass an der Stelle der heutigen Johanneskirche am Ende der Antike eine kleine Holzkirche stand. So wird in einer Urkunde aus dem Jahr 786 n. Christus ein gewisser Folcramnus erwähnt, der hier in Maulburg als Geistlicher tätig war.
Dieser Holzkirche folgte im frühen Mittelalter eine Kirche aus Stein. Fundamente dieser Kirche wurden bei Renovierungsarbeiten in den Jahren 1973 /74 entdeckt, darunter eine Apsis aus dem 12 Jhd.. Diese Kirche wird auch in einer Urkunde vom 6. Juli 1249 erwähnt, bei der es um eine Schenkung geht, welche der berühmte Minnesänger Walther von Klingen an das Kloster Wettingen machte (darunter auch die Maulburger Kirche, die ein Teil dieser Güter bildete).

Anfang des 18. Jahrhunderts stand an der Stelle der heutigen Johanneskirche ein in Fachwerk ausgeführtes Kirchengebäude. Dieses war jedoch in einem höchst baufälligem Zustand. Im Jahr 1712 schlug ein umgestürzter Nußbaum ein großes Loch in das Kirchendach, so dass es in die Kirche hinein regnete und schneite. In einem Bericht aus der Zeit heißt es: In der Kirche „waren im Langhaus acht Tannenbäume (Balken) ganz! abgefault... im Türrahmen waren die Zapfen des Riegels abgefault, so daß es mit einem eisernen Band zusammengezogen werden mußte." Im Jahr 1724 (zwölf Jahre später!) wurden schließlich Ausbesserungen an der Kirche vorgenommen. Dennoch verschlechterte sich ihr Bauzustand immer mehr. Im Jahr 1739 fügte ein schwerer Sturm der baufälligen Kirche weitere Schäden zu. Wieder erbrachten die Instandsetzungsarbeiten keine durchgreifenden Verbesserungen. So setzte sich der damalige Pfarrer Johann Dietrich Bohm (1725 -1768) schließlich dafür ein, die alte Kirche durch einen Neubau zu ersetzen. In vielen Briefen an die geistliche und weltliche Obrigkeit schilderte er den mehr als baufälligen Zustand der Kirche. Auch verfasste er Pläne für einen kostengünstigen Bau. Trotz seines großen Einsatzes hatte er mit seinen Bemühungen jedoch am Anfang keinen Erfolg. Die Gemeinde war verarmt, da verschiedene Abgaben (Zehnte), die der Gemeinde zu Gute kamen, in den Jahrzehnten zuvor verloren gegangen waren. Auch weigerte sich die Kirchenbehörde in Basel, die bis zu diesem Zeitpunkt die Kosten für Neu- und Umbauten der Kirche getragen hatte, die Baulast weiter zu tragen. Doch war dieser Verlust auf Dauer auch ein Gewinn, denn in der Folge wandte sich Johann Dietrich Bohm in verschiedenen Briefen an den Landesführsten Markgraf Carl Friedrich von Baden (1738-1811). Dieser Landesfürst, der in seiner Regierungszeit unter anderem für die Abschaffung der Leibeigenschaft, die Einführung der Feuerversicherung (1758), die Abschaffung der Folter (1767), die Förderung des Kartoffel-, Flachs- und des Rübenanbaus, wie auch für die Einführung der Schulpflicht sorgte, förderte auch die Industrie und die Kirchen. Dabei lagen ihm Protestanten wie Katholiken am Herzen. Dieser Landesfürst "von humaner Gesinnung" verhalf schließlich auch der evang. Gemeinde in Maulburg zu einer neuen Kirche. An seine Unterstützung erinnert bis heute ein Gedenkstein, der über dem seitlichen Eingang der Kirche angebracht ist. Dort ist zu lesen:

"Zur Ehre des dreieinigen Gottes
wurde unter
dem durchlauchtigsten Fürsten und Herren
Carl Friedrich,
Markgraf zu Baden und Hochberg,
dieses Gotteshaus erbaut
anno MDCCLIII"
Die feierliche Einweihung der Kirche erfolgte am 25. November 1753. Die Kosten betrugen 2260 Gulden.
In den Chroniken der Gemeinde wird von einer geplante Renovierung im Jahr 1907 berichtet, die letzten Endes jedoch nicht duchgeführt werden konnte. Kurz vor dem ersten Weltkrieg wurde die Baupflicht des Staates für die Kirche durch eine einmalige Zahlung von 125.000 Reichsmark abgelöst, so dass ab diesem Zeitpunkt die Kirchengemeinde vollumfänglich für die Kirche verantwortlich war. Sie plante sogleich einen kompletten Neubau der Kirche, der jedoch wegen des Kriegsausbruchs 1914 nicht verwirklicht werden konnte. Es folgten mehrere Reparaturen im Jahr 1925 und der Einbau einer neuen Heizung im Jahr 1934.
Nach den üblichen kleineren Instandsetzungsmaßnahmen und Erneuerungen in den folgenden Jahrzehnten wurde im Jahr 1953 (anläßlich des 200 jährigen Bestehens der Kirche) unter Pfarrer Johannes Haas (1950 - 1960) eine umfangreiche Renovierung durchgeführt.
Eine weitere Renovierung fand in den Jahren 1973 / 74 unter Pfr. Oskar Ackermann (1971-1978) statt. Dabei wurde die Kirche umfangreich restauriert. Auch wurde ein Anbau erstellt (mit einer Sakristei und einem Heizungsraum im Keller).
Taufstein der Maulburger Kirche

Altarkreuz der Maulburger Kirche

Die Johanneskirche nach ihrer Renovierung in den Jahren 1973 / 1974

Die Johanneskirche um 1930

Die drei Grabsteine auf der linken Seite der Kirchenwand:
Der Bohm´sche Stein

Er ist dem Andenken zweier Kinder der Pfarrerfamilie Bohm gewidmet, von denen das erste Kind (Johanna Margarethe) einen Tag nach der Geburt starb und das zweite Kind (Johann Daniel) im Alter von neun Monaten. Der Stein wurde von den betrübten Eltern als Zeichen ihrer Liebe aufgerichtet und trägt an der oberen Seite ein Wappen, das einen Baum darstellt (Pfr. Bohm leitete seinen Namen von Baum ab).

Der Schanztlinstein

Der Stein ist von reichen Barockornamente umrahmt. Er trägt an der oberen Seite ein "redendes" Wappen, das rechts und links von zwei Engeln gehalten wird.

In dem Wappen ist ein Fischer in der Tracht um 1700 zu sehen, der in beiden Händen eine dreizinkige Fischgabel (Harpune) hält, an deren unteren Ende ein Lachs steckt (Diese Darstellung zeigt, dass die Lachse zu dieser Zeit noch bis ins Wiesental stiegen und dort gefangen wurden). Auf der linken Seite der Figur ist eine steinerne Badewanne mit zwei Personen zu sehen. Diese Darstellung soll zeigen, dass die Familie Schanzlin seit Generationen das Badwirtshaus betrieb und die Fischerei als Erblehen hatte.
Die Tanne auf dem Wappen ist ein Verweis auf die Ehefrau von Johannes Schantzlin, die aus Schopfheim stammte und eine geborene Tanne war.
Im Textteil der Grabtafel wird dem Vogt und Badwirt Johannes Schantzlin gedacht, wie auch seinem Vater und seinem Sohn, den Frauen und Kindern. Der Überlieferung nach hatte ein Fischer dem badischen Markgrafen, der sich auf der Jagd in der Gegend verirrt hatte, bewirtet und dem Markgrafen anschließend den Weg bei Nacht nach Basel gezeigt. Als Dank erhielt der Fischer dafür das Erblehen der Fischwaid in der Gemarkung Maulburg, das 250 Jahre (1602 - 1852) im Besitz der Familie Schantzlin war. Auch das Badwirtshaus war wohl - wie Quellen aus der Zeit zeigen - wohl bekannt und von ständigen Badegästen gut besucht.
Die Tafel des Pfarrers Schöne

Dies ist der älteste der drei Steine. Es handelt sich um einen farbig gefassten ovalen Sandstein, der von Ranken umgeben ist.

In der oberen Hälfte ist ein Herz zu sehen, aus dem Blumen sprießen (als Symbol des Lebens), in der unteren Hälfte ist ein Totenkopf erkennbar, dazu eine Uhr (als Symbol des Todes). Der Stein erinnert an Pfarrer Schöne (1615 in Schopfheim geboren), der als Pfarrer in Wieslet und Vogelbach die schrecklichen Zeiten des Dreißigjähren Krieges erlebte. Als er im Jahr 1646 nach Maulburg kam, war die Gemeinde verarmt. Seine erste Frau Marie Höcklin von Steineck starb 1650 in Maulburg und wurde in der Kirche in Schopfheim begraben, in der die Adelsfamilie eine Gruft hatte. Seine zweite Frau starb im Jahr 1672. Auch ihre Ehe blieb kinderlos. Erst seine dritte Frau Marie Stupfer schenkte ihm einen Sohn (Johann Michael, geb. 1677) und eine Tochter (Maria Juliana). Doch starb er zwei Monate vor ihrer Geburt, im Jahr 1678 nach 32-jähriger Tätigkeit als Pfarrer in Maulburg.
Während bei den beiden anderen Steinen keine Anhaltspunkte zu finden sind, dass die Verstorbenen auch in der Kirche begraben wurde, so ist bei Pfarrer Schöne ein solcher Vermerk im Kirchenbuch vorhanden. Auch fand man bei der Kirchenrenovierung anlässlich des 200jährigen Bestehens der Kirche im Jahr 1953 in der Höhe der Tafel in etwa 50 cm Tiefe unter dem Plattenfußboden das Skelett eines großen Mannes - obwohl Pfr. Schöne vermutlich noch in der alten Kirche begraben wurde (doch wurde der Neubau im Jahr 1753 fast auf der gleichen Stelle errichtet).
(Mehr zu Pfarrer Bohm und Pfarrer Schöne finden Sie auch unter: Die Pfarrerinnen und Pfarrer der evang. Gemeinde Maulburg)
Das Christusbild auf der rechten Seite der Kirchenwand

Das Ölgemälde stellt die Kreuzigung Christi dar und wurde im Jahr 1756 von dem badischen Maler Philipp Heinrich Kisling erschaffen.
Philipp Heinrich Kisling (geboren am 24. November 1713 in Eggenstein; verstorben am 14. Mai 1767 in Durlach) entstammte einer einfachen Försterfamilie aus einem Dorf in der Nähe von Karlsruhe. Nachdem er die Malkunst erlernt hatte, machte er als Maler am Hof des Markrafen von Baden Karriere. Er wurde vor allem durch seine Porträts bekannt, in denen er durch die lebendige Wiedergabe seiner Modelle glänzte.
Quellen:
Dekan Helfried Heidler, Chrömli April 1986
Das Markgräflerland (Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur); Jgg. NF 6 (37) Heft 3/4 1975, dort: S. 278 - 284: Artikel: Zur evangelischen Kirche in Maulburg von Judith und H. J. Wörner.
Die Kirche zu Maulbrug (Rückblick auf zwei Jahrhunderte 1753-1953) (13. Sept. 1953; Ernst Grether)
