Szene 1: Auftritt der drei Könige


Er sah gefährlich aus und kaum einer wagte ihn anzureden, denn er verbreitete überall Angst und Schrecken. Selbst wenn er durch einen dunklen Wald ging, hatte der gewaltige König keine Angst. Denn er hatte ja sein Schwert. Kein Räuber griff ihn an. Da hörte er auf einmal ein Wimmern und Stöhnen.
(Eine überfallene Frau wimmert und stöhnt)
Der König ging den Geräuschen nach und fand eine Frau, die unter die Räuber gefallen war.
Überfallene: Hilf mir!
Der König wusste nicht, was er tun sollte. Wenn er der Frau helfen wollte, musste er dazu ja sein Schwert aus der Hand legen. Wie aber sollte er sich dann verteidigen, wenn die Räuber kämen? So sprach er:
König 1: Es tut mir leid, ich kann euch nicht helfen.
Aber ich verspreche dir, wenn ich einen Räuber treffe, werde ich dich rächen.
Ich werde ihn auf der Stelle töten.
So ließ der König die Frau, die unter die Räuber gefallen war, liegen und ging fort.
(Kurze Zwischenmusik)
Der zweite König war sehr reich.
In der einen Hand hielt er einen Geldsack. In der anderen hatte er eine Zeitung, in der er angestrengt las. Er mußte ja wissen, wo er in der Welt noch mehr Geld verdienen konnte. So ging er los, immer ein Auge auf der Zeitung. Er sah geschäftig aus. Kaum einer wagte ihn anzusprechen. So kam er durch ein Dorf. Dort hatte ein Gewitter die Ernte zerstört und viele Leute hatten Hunger. Einige Dorfbewohner kamen auf den König zu.

Dorfbewohner 1: Hilf uns, reicher König.
Dorfbewohner 2: Wir sind arm und der Hunger frisst uns auf.
Der König wusste nicht, was er tun sollte. Wenn er den Leuten sein Geld gab, dann hätte er ja selbst nichts mehr. So sagte er:
2. König: Es tut mir leid, ich kann euch nicht helfen.
Aber wenn ich jemanden treffe, der mehr Geld hat als ich,
schicke ich ihn zu euch.
Bei diesen Worten hielt der reiche König seinen Geldsack ängstlich in den Händen fest. Dann ging er weiter, die Zeitung dicht vor den Augen.
(Kurze Zwischenmusik)
Der dritte König war sehr klug.
Er trug ein dickes Buch unter dem Arm, in dem er aufgeregt blätterte. In der rechten Hand hielt er ein großes Fernrohr, mit dem er den Himmel absuchte. Kaum einer wagte ihn anzusprechen, denn sein Gesicht war vor lauter Studieren ganz zerknittert und die Menschen hatten Angst, von seiner scharfen Zunge verletzt zu werden.
Da kamen ein paar Kinder auf ihn zugesprungen und hielten im am Mantel fest.

Kind 1: Komm, spiel mit uns!
Kind 2: Ja, erzähl uns, was du alles weißt.
Der König wusste nicht, was er tun sollte. Wenn er mit den Kindern spielte, hätte er ja keine Zeit mehr den Himmel zu beobachten und Bücher zu lesen. So sagte er:
3. König: Es tut mir leid, aber ich kann nicht mit euch spielen.
Dafür ist meine Zeit viel zu kostbar.
Kaum hatte der kluge König seine Worte beendet ging er weiter, den Blick auf das Buch gerichtet, das er in seiner Hand hielt.
Musik: Mache dich auf und werde licht
Szene 2: Das Treffen der Könige
Die drei Könige trafen sich jedes Jahr einmal, um über die Angelegenheiten ihrer Königreiche zu beraten. Dabei gerieten sie jedes Mal in Streit darüber, wer von ihnen der Größte sei.
(Der erste König tritt auf)
1. König: Ich bin natürlich der Größte.
Denn nur wer Macht hat, kann das Böse besiegen.
Dabei hob der König stolz sein Schwert. Ohne sein Schwert, dachte er, würden ihnen die Räuber alle auf der Nase herumtanzen und es würde überall nur Mord und Totschlag geben. Aber dann kam der zweite König.
(Der zweite König tritt dazu)
2. König: Wie kann man nur so blind sein und auf Waffen vertrauen?
Jeder weiß doch: Geld regiert die Welt.
Bei diesen Worten hob der König seinen Geldsack in die Luft. Er wusste, der erste König konnte mit seinem Schwert die Menschen nicht satt machen. Das konnte nur er mit seinem Geld. Aber dann trat der dritte König auf:
(Der dritte König tritt auf)
3. König: Wie kann man nur meinen, dass Geld alle Probleme löst!
Wenn Menschen hungern, musst du ihnen zeigen,
wie sie sich selbst helfen können.
Bei diesen Worten hob der König sein Buch. Darin hatte er alles Wissen der Welt aufgeschrieben. Dieses Wissen konnte er den Menschen beibringen, so dass sie weise wurden und der Welt Gerechtigkeit und Frieden brachten.
So stritten die drei Könige miteinander. Der gewaltige König hob dabei sein Schwert, der reiche König zählte sein Geld und der kluge König blätterte in seinem Buch. Da erschien auf einmal ein Stern am Himmel.
(Ein Engel mit einem Stern tritt auf)
Als die Könige den Stern sahen, hörten sie auf zu streiten.
1. König: Seht, der Stern bewegt sich.
2. König: Ja, tatsächlich.
3. König: (blättert in seinem dicken Buch und sagt):
Wartet. Hier steht etwas über Sterne.
Immer, wenn ein Stern über den Himmel wandert, wird ein großer König geboren.
Als die beiden anderen Könige diese Worte hörten, beschlossen sie, gemeinsam diesen neuen König zu suchen. Sie wollten sehen, ob der neue König gewaltig, reich oder klug wäre. So wollten sie herausfinden, wer von ihnen dreien recht hatte.
(Der Stern geht auf die eine Seite ab. Die drei Könige folgen ihm.)
Gemeinsam zogen die drei Könige dem Stern hinterher, durch Wüsten und Wälder, durch Täler und über Berge, an Flüssen entlang und durch große Städte und kleine Dörfer. In ihren Herzen aber dachte jeder von ihnen: Wie sollte es anders sein? Der neugeborene König muss mir rechtgeben!
Musik: Stern über Bethlehem
Szene 3: Die drei Könige bei Herodes
Nach einer langen und mühsamen Reise führte der Stern die drei Könige nach Jerusalem, der Hauptstadt der Israeliten. Dort sahen sich die drei Könige neugierig um.
(Auftritt der drei Könige)
Der gewaltige König sah viele Soldaten.
(Der gewaltige König sieht sich um)
Der reiche König sah den prunkvoll ausgestatteten Palast.
(Der reiche König sieht sich um)
Der weise König sah eine Menge von Gelehrten und Propheten.
(Der kluge König sieht sich um)
Die drei Könige waren beeindruckt. So fragten sie nach dem König, der über diese Stadt und dieses Land regierte. Sein Name war Herodes. Sie ließen sich bei ihm melden. Als sie die Fanfaren des Königs hörten, dachte jeder bei sich: Vielleicht ist es so, dass der mächtigste und größte König alles zusammen sein muss: gewaltig, reich und klug. Gemeinsam traten sie vor den König:
(Die drei Könige treten vor den Thron von Herodes)
König 1: Seid gegrüßt, mächtiger Herrscher.
Herodes: Seid auch ihr gegrüßt. Was wollt ihr von mir?
König 1: Wir haben einen Stern gesehen, der über den Himmel wandert.
König 3: Ich habe in meinem Buch gelesen, dass der Stern uns zu einem neugeborenen König führt.
König 2: Und nun sind wir hier, um dem neugeborenen König Geschenke bringen.
Aber der König Herodes wusste nichts von einem neugeborenen König. So ließ er seinen Berater holen.

Berater: (Mit einem Buch in der Hand):
Hier steht, dass der neue König in Bethlehem geboren wird.
So haben es die Propheten voraus gesagt.
So machten sich die drei Könige erneut auf den Weg. Denn obwohl König Herodes klug, mächtig und reich war, war der neue König in seinem Palast trotzdem nicht zu finden.
Der Stern läuft los und die drei Könige folgen ihm.
Musik: Stern über Bethlehem
Szene 4: Maria und Josef im Stall bei Bethlehem
Nicht weit von Jerusalem entfernt, in der Nähe der kleinen Stadt Bethlehem, stand auf einer Wiese ein alter, verfallener Stall. Dort hatte in dieser Nacht Maria und Josef eine Unterkunft gefunden.

Maria war schwanger und sie gebar in dieser Nacht einen Sohn. Den wickelte sie in Windeln und da sie keinen anderen Platz für das Kind hatte, legte sie es in eine Krippe, aus der die Tiere fraßen.
(Maria legt das Kind in die Krippe)
Nicht weit von dem Stall entfernt, hüteten einige Hirten auf dem Feld ihre Schafe.
(Die Hirten treten auf)
Hirte 1: Was für eine Nacht? Alles ist dunkel und düster.
Da sahen die Hirten einen Stern.
(Ein Engel mit einem Stern tritt auf)

Hirte 1: Was mag der Stern wohl bedeuten?
Sicher leuchtet er nur für die reichen Leute.
Für alle, die arm sind, gibt es kein Licht.
Aber dann meinten die Hirten eine Stimme zu hören, als würde der Stern selbst zu ihnen sprechen.
Stern: Habt Hoffnung. Denn Großes ist heute geschehen.
Die Hirten wussten nicht, was sie von dieser Stimme halten sollten. Aber dann sahen sie auf einmal lauter Engel.

Engel 1 Fürchtet euch nicht. Siehe, wir verkündigen euch große Freude.
Engel 2 Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.
Engel 3 Und das habt zum Zeichen: Ihr werdet das Kind finden
in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegend.
Engel 4 So macht euch auf den Weg.
Engel 5 Folgt dem Stern, er wird euch zu dem Kind führen.
(Abgang der Engel)
So machten sich die Hirten auf den Weg. Der Stern führte sie zu Maria, Josef und dem Jesuskind. Und obwohl die Hirten weder mächtig, noch reich noch besonders klug waren, wurden sie in dem Stall freundlich empfangen.
Musik: Es ist ein Ros entsprungen
Szene 5: Die drei Könige am Stall
Nachdem die drei Könige Jerusalem und den Palast von König Herodes verlassen hatten, waren auch sie mittlerweile in Bethlehem angekommen. Dort führte sie der Stern zu einem alten, verfallenen Stall auf der Wiese. Da sprach der erste König:
1. König: Was? In diesem schutzlosen Haus soll ein König wohnen?
Das kann nicht sein!
Der zweite König sagte:
2. König: Nein. In dieser ärmlichen Hütte kann kein reicher König wohnen!
Und der dritte König sprach:
3. König: Du hast recht. Das ist ein Stall. Dort wohnen nur dumme Hirten.
Ein kluger König ist hier niemals zu finden.
Ratlos schauten sich die drei Könige an. Sie wollten gerade umkehren, als sie auf einmal eine Gestalt sahen, die wie ein Engel aussah.
Auftritt Engel: „Halt, ihr geht in die falsche Richtung. Geht zu dem Stall.
Dort werdet ihr den neuen König finden.
Er liegt dort in einer Krippe, in Windeln gewickelt."
Die drei Könige starrten den Engel mit aufgerissenen Mündern an. Dabei kamen die Zeichen ihrer Würde in Unordnung. Das hocherhobene Schwert legte sich schief wie ein Mast im Sturm.
Der pralle Geldsack wäre beinahe auf den Boden gerollt. Und der kluge König griff lauter Eselsohren in sein dickes Buch.
Aber dann rissen sich die drei Könige zusammen und sie gingen gemeinsam zu dem Stall.
(Der Stern und Könige gehen zum Stall)
Dort fanden sie Maria und Josef, wie auch das Kind, in einer Krippe liegend. Auch trafen sie dort viele Hirten. Die Gesichter der Hirten strahlten, heller als jedes Gold. Auch wirkten die Hirten seltsam groß und mächtig, weil sie alle so aufrecht standen. Und sie sahen klug aus, weil in ihren Augen ein ganz besonderes Licht leuchtete. Dieses Licht kam von dem Kind, das in der Krippe lag. Als die drei Könige das Kind ansahen, das schutzlos in der Krippe lag, spürten sie, dieses Kind brauchte kein Schwert, keinen Geldsack und kein dickes Buch.
(Die Könige treten an die Krippe)
Da beugte der gewaltige König die Knie - und dann - er wusste selbst nicht warum - legte er sein Schwert neben die Krippe und nahm seinen Helm ab. Niemand auf der Welt, ja, nicht einmal er selbst, hatte ihn je ohne Schwert und ohne Heim gesehen. Da bekam er Angst. Er dachte: Ohne Schwert und ohne Helm bin ich ganz schutzlos. Was ist, wenn jetzt die Räuber kommen? Ängstlich schaute er sich um.

Aber da lächelte ihn das Kind an und er verlor seine Furcht. Er spürte, er brauchte sein Schwert nicht mehr. Da faltete der gewaltige König die Hände und betete:
1. König: 0 Heiland, lass mich dein sein und bleiben.
Jetzt spüre ich, dass ich stark bin und frei.
Ich kann nun ohne meine Rüstung leben.
So habe ich die Hände frei, dem zu helfen,
der unter die Räuber gefallen ist.
Auch der reiche König beugte seine Knie. Und auch er tat etwas, was er noch nie in seinem Leben getan hatte. Er ließ den Geldsack aus seiner Hand fallen und legte die Zeitung beiseite. Niemand auf der Weit, ja, nicht einmal er selbst, hatte ihn je ohne Geldsack und Zeitung gesehen. Da bekam der reiche König Angst. Er dachte: Ohne Geld werde ich bald in Armut umkommen und ihn fröstelte bei dem Gedanken.
Aber da lächelte das Kind in der Krippe ihn an und seine Angst verschwand. Da faltete der reiche König die Hände und betete:
2. König: 0 Heiland, lass mich dein sein und bleiben.
Jetzt spüre ich, dass ich reich bin und frei.
Ich kann nun ohne das viele Geld leben.
So habe ich die Hände frei, für den das Brot zu brechen,
den danach hungert.
Da beugte auch der kluge König seine Knie und legte sein dickes Buch und sein Fernrohr an die Krippe. Ohne Buch hatte ihn noch nie jemand gesehen. Er kannte sich selbst nicht. Da bekam auch er Angst. Er dachte bei sich: Ohne Buch werde ich keinen Rat mehr wissen, und ich tappe von einem Missgeschick ins andere. Ihn schauderte bei diesem Gedanken.
Aber da lächelte das Kind in der Krippe ihn an und da verlor auch er seine Angst. So faltete der König die Hände und betete:
3. König: 0 Heiland, lass mich dein sein und bleiben.
Jetzt spüre ich, dass ich weise bin und frei.
Ich kann nun ohne meine Bücher leben.
So habe ich die Hände frei, mit den Kindern zu spielen
und ihnen zu zeigen, was sie von mir wissen wollen.
(Zwischenmusik, alle drei Könige stehen wieder auf. Die Hirten und Engel kommen dazu.)
So wurde es schließlich auch für die drei Könige Weihnachten. Sie hatten nun den wahren König gefunden. Den König, bei dem es nicht darauf ankam, ob jemand mächtig war, reich oder klug, sondern einzig und allein darauf, ob jemand bereit war, sein Herz für die Liebe zu öffnen, die uns von Gott geschenkt wird.

