Vor langer, langer Zeit

1. Szene: Das Gesetz des Kaisers in Rom
 
Vor langer, langer Zeit lebte einmal ein mächtiger Kaiser. Er hieß Augustus und wohnte in der großen Stadt Rom. Von dort aus regierte er über ein riesiges Reich. Zu diesem Reich gehörte auch das kleine Land Israel, das die Soldaten des Kaisers besetzt hatten. Doch kosteten diese Soldaten den Kaiser viel Geld und so beschloss er, ein neues Gesetz zu erlassen.
 
Musik
Der Ausrufer kommt nach vorne und entrollt eine Papierrolle.
Eine Helferin begleitet ihn und hält die Papierrolle, während er liest:
 
 
Auf Befehl von Kaiser Augustus,
dem Liebling der Götter
und Herrscher des römischen Reiches
wird folgendes Gesetz erlassen:
Jeder Bürger muss in seine Heimatstadt gehen,
und sich dort in eine Liste eintragen
und eine Steuer bezahlen.
Wer diesem Befehl nicht nachkommt, wird bestraft.
Es gibt keine Ausnahme!
 
 
Musik (Der Ausrufer und die Helferin gehen seitlich ab)
 
Als die Menschen in Israel die Worte des Kaisers hörten, waren sie entsetzt:
 
Auftritt der vier Bürger
 
 
Bürger: 
Was? Zuerst marschieren die Soldaten des Kaisers
in unser Land ein,
und dann sollen wir ihn auch noch dafür bezahlen?
 
Bürgerin: 
So ist die Welt. Wer die Macht hat, macht, was er will.
 
Bürgerin:
Aber heißt es nicht in unseren Schriften,
dass uns Gott jemand schicken wird,
der uns von solchen Machthabern erlöst?
 
Bürger:
Darauf kannst du lange warten.
Das erleben wir nie.
 
Musik: Mache dich auf und werde licht
 
 
Szene 2: Der Traum des Josef
 
Aufbau: Zwei Stühle und eine Decke (Bett für Josef)
 
Damals lebte in Israel lebte ein Mann mit Namen Josef. Er war verlobt mit Maria, die war schwanger. Doch das Kind, das sie erwartete, war nicht von ihm und so wollte Josef seine Verlobte verlassen. Doch dann erschien ihm eines Nacht ein Engel im Traum.
 
Musik / Vibraphon
Josef legt sich auf zwei Stühle und „schläft“ Ein Engel erscheint und stellt sich neben Josef.
 
 
Engel:
Josef, hör´ gut zu.
Du darfst Maria nicht verlassen.
Sie braucht dich.
Das Kind,
das sie unter ihrem Herzen trägt,
kommt von Gott.
Es wird der Welt Frieden bringen
und Gott selbst wird in ihm wohnen.
 
Musik / Vibraphon
(Der Engel geht ab / Josef setzt sich auf, reibt die Augen und denkt nach)
 
Josef hatte die Worte des Engels gehört, doch konnte er die Worte nicht verstehen. Ein Kind Gottes sollte seine Verlobte Maria unter ihrem Herzen tragen? Und dieses Kind sollte der Welt Frieden schenken? Wie konnte das sein?
Doch obwohl Josef die Worte des Engels nicht verstand, hörte er auf sie und nahm Maria zur Frau. Und als er wegen der Steuer des Kaisers Augustus in seine Heimatstadt Bethlehem reisen musste, nahm er seine schwangere Frau mit.
 
Musik: Mache dich auf und werde licht
 
 
Szene 3: Die Herbergssuche in Bethlehem
 
Aufbau: Großes Schild am Altar: Alles belegt!
 
Maria und Josef waren viele Tage unterwegs. Als sie schließlich Bethlehem erreichten, war der Ort voller Menschen. Denn viele Leute waren dorthin gekommen, um ihre Steuern zu bezahlen. So waren alle Gasthäuser und Herbergen belegt.
 
 
Musik
(Auftritt von Maria und Josef von der Seite, der Wirt / die Wirtin stellt sich neben dem Altar auf)
(Josef und Maria gehen zum Altar und klopft mehrmals laut an, der Wirt / die Wirtin kommt auf ihn zu)
 
 
Wirt 1: 
Was ist denn jetzt schon wieder los?
 
Josef:
Guten Abend. Mein Name ist Josef.
Ich suche für mich und meine Frau
eine Unterkunft für die Nacht.
 
Wirt 1:
Könnt ihr nicht lesen? Unsere Zimmer sind alle belegt.
Ihr hättet früher kommen müssen.
 
Maria:
Wir wären ja gern früher gekommen.
Aber wir konnten nicht so schnell gehen.
Ich erwarte ein Kind.
Gibt es denn nirgends einen Platz für uns?
 
Wirt 1: (Schüttelt den Kopf)
Es tut mir leid, aber hier ist alles voll.
Ich kann nichts für euch tun.
 
Traurige Musik (Maria und Josef gehen im Kreis umher. Zwei Mal kommen sie am Altar vorbei und klopfen an die „Tür“, aber jedes Mal kommt jemand, der den Kopf schüttelt und mit der Hand eine verneinende Geste macht (Stummer Wirt 2+3). Nach der dritte Runde bleiben Maria und Josef stehen.
 
Maria:
Ich kann nicht mehr.
 
Josef:
Ich auch nicht. Aber wir dürfen nicht aufgeben.
Einmal versuche ich es noch.
 
(Josef geht zum Altar und klopft an)
 
 
Wirtin 4:
Was ist?
 
Josef:
Meine Frau und ich suchen eine Unterkunft für Nacht.
 
Wirtin 4:
Bei uns ist alles voll. Könnt ihr nicht lesen?
 
Josef:
Aber meine Frau ist schwanger.
Wir brauchen dringend einen Platz für die Nacht.
 
Wirtin 4:
Da kann ich nichts machen. Voll ist voll.
 (Josef wendet sich ab und geht einen Schritt zurück zu Maria)
Moment. Da fällt mir gerade etwas ein.
 (Josef bleibt stehen und dreht sich wieder zu dem Wirt um)
Ich habe draußen auf dem Feld noch einen alten Stall.
Der fällt zwar fast zusammen,
aber wenn ihr wollt,
könnt ihr dort übernachten.
 
Josef: 
Das wäre wunderbar.
Vielen, vielen Dank.
 
Wirtin 4:
Ist schon gut. Man hilft ja, wo man kann.
 
Musik: Alle gehen ab
 
Maria und Josef gingen zu dem Stall, den ihnen der Wirt für die Nacht überlassen hatte. Und in dieser Nacht gebar Maria einen Sohn und sie nannte ihn Jesus. Und sie wickelte das Kind in Windeln und da es in dem Stall keinen Platz für das Kind gab, legte sie es in eine Krippe.
 
Musik: Mache dich auf und werde licht
 
 
Szene 4: Die Hirten auf dem Feld
 
Bühne: Im Hintergrund „schlafen“ mehrere Hirten
 
Nicht weit von dem Stall entfernt, lagerten einige Hirten mit einer Herde Schafe. Die meisten Hirten schliefen, doch ein paar Hirten mussten Wache halten. Schließlich kam es immer wieder vor, dass ein Wolf oder ein Schakal ein Schaf reißen wollte.
 
 
Musik: Auftritt Hirtin 1+2
 
 
Hirtin 1:
Immer ich.
Immer muss ich in der Nacht aufpassen.
Das ist doch nicht gerecht.
Nur weil ich die Jüngste bin.
 
Hirtin 2:
Hör auf zu jammern.
Mich trifft es genauso.
 
Hirtin 1:
Trotzdem ist es ungerecht.
In der Stadt schlafen die Menschen in ihren warmen Betten,
und wir frieren uns hier die Ohren ab.
Warum kann ich nicht ein Bäcker sein?
Dann bräuchte ich hier nicht in der Kälte zu stehen.
Aber vielleicht werde ich ja einmal König?
So wie der große David.
Der war zuerst auch ein Hirtenjunge.
 
Hirtin 2:
Träum´ weiter.
Die Welt ist, wie sie ist.
Die einen herrschen
und die anderen dienen.
Und wir werden immer die Diener sein.
 
Der Hirtenjunge wollte gerade widersprechen, als auf einmal ein helles Licht aufleuchtete. Mitten in diesem Licht erschien eine große, furchteinflößende Gestalt.
 
Musik:
Lautes Gitarrenspiel und Vibraphon
Ein Engel tritt auf die Bühne, dazu ein Kind mit einem Stern
Die schlafenden Hirten wachen auf und stellen sich neben die beiden Hirten,
die erschrocken einen Schritt zurückweichen
 
 
 
Engel:
Habt keine Angst!
Ich bringe euch eine gute Nachricht.
Gott kommt auf die Erde
und mit seinem Kommen verändert sich die Welt.
Bei ihm werden die Ersten die Letzten sein,
und die Letzten die Ersten.
Seht ihr den Stern dort?
(Er zeigt auf den Stern)
Er führt euch zu einem Stall hier in der Nähe.
Dort werdet ihr ein Kind finden.
Es wird in Windeln gewickelt sein
und in einer Krippe liegen.
Dieses Kind ist der Messias,
in dem sich Gott den Menschen zeigt.
 
Und auf einmal waren bei den Hirten viele weitere Engel, die sangen und lobten Gott.
 
 
 
Musik: Auftritt der Engel
Gesang: Hallelulja
Abgang der Engel.
Der Stern bleibt auf der Bühne stehen.
 
Hirtin 3:
Habt´ ihr das auch gesehen?
 
Hirtin 4:
Ja, da waren ganz viele Engel.
Alles war hell und voller Licht.
 
Hirtin 5:
Ach was Engel! Das waren keine Engel!
Warum sollten zu uns Engel kommen?
 
Hirtin 6:
Weil bei Gott alles anders ist. Er denkt an uns.
Bei ihm sind die Ersten die Letzten.
Und die Letzten die Ersten.
Ihr habt es selbst gehört.
 
Hirtin 3:
Selbst mein Schaf hat es gehört.
Schaf: Mähhhhhhhh!
Hört ihrs?
 
Hirtin 5:
Ist ja gut.
Vielleicht waren das ja wirklich Engel?
Und wir haben das Ganze nicht nur geträumt.
Aber was sollen wir jetzt tun?
 
Hirtin 3:
Was der Engel gesagt hat.
Wir folgen dem Stern.
 
Hirtin 4:
Er wird uns zu dem Kind führen.
 
Als der Hirte diese Worte gesprochen hatte, nickten alle. Und so machten sich die Hirten mit ihren Schafen auf den Weg zur Krippe.
 
Musik
Die Hirten folgen dem Stern und ziehen von der Bühne ab.
 
Musik: Mache dich auf und werde licht
 
 
Szene 5: Die drei Weisen aus dem Morgenland
 
Aufbau: Thron für Herodes
 
In einem weit entfernten Land hatte viele Monate zuvor ein weiser Mann den gleichen Stern entdeckt, dem auch die Hirten folgten. Voller Freude erzählte der Mann seinen Freunden, was er am Himmelszelt gefunden hatte.
 
Musik: Auftritt der drei weisen Männer
 
 
Kaspar:
Ich habe heute Nacht einen neuen Stern entdeckt!
 
Melchior:
Na und? Sterne gibt es viele.
 
Kaspar:
Ja, aber dies ist ein ganz besonderer Stern.
Er wandert über den Himmel.
 
Melchior:
Das ist tatsächlich seltsam.
 
Balthasar:
Ja, das kommt mir auch eigenartig vor.
Doch erinnert es mich an Worte,
die ich in einem alten Buch gelesen haben.
 
Melchior:
Was stand in diesem Buch?
 
Balthasar:
Dort hieß es,
dass ein solcher Stern,
die Geburt eines neuen Königs ankündigt.
Vielleicht ist der Stern ja ein Königsstern?
 
Kaspar:
Stand in dem Buch noch mehr über diesen König?
 
Balthasar:
Ja, es hieß, er würde den Menschen Frieden bringen.
 
Melchior:
Ein König, der Frieden bringt? Und keinen Krieg?
Einen solchen König würde ich gern sehen.
 
Kaspar:
Ich auch.
 
Balthasar:
Aber wie sollen wir diesen König finden?
 
Kaspar:
Ganz einfach. Wir müssen nur dem Stern folgen.
Er wird uns den Weg weisen.
 
Musik: Abgang der drei weisen Männer
 
So machten sich die drei weisen Männer auf den Weg. Jeden Abend sahen sie hoch zum Himmel und fragten sich, ob der Königsstern noch da wäre. Und jeden Abend kam es ihnen so vor, als wäre der Stern ein Stück weiter gezogen, fast so, als wollte er ihnen den Weg zeigen.
Nach vielen Tagen kamen die drei weisen Männer nach Israel. Dort zogen sie nach Jerusalem, der Hauptstadt des Landes. Dort regierte König Herodes, der mit Hilfe der Römer an die Macht gekommen war. Als die drei weisen Männer bei Herodes ankamen, wusste Herodes jedoch nichts von einem neuen König. Eilig ließ er seinen Ratgeber zu sich rufen.
 
Musik: Auftritt Herodes, setzt sich auf den Thron
Auftritt der drei weisen Männer
Auftritt des Ratgebers
 
 
König Herodes: 
Ratgeberin!
Kannst Du in unseren Schriften
etwas über einen neuen König entdecken?
 
 
Ratgeberin: (nickt)
Ja. Der Prophet Jesaja sagt,
dass Gott uns Menschen einen König senden wird,
der anders sein wird, als alle Könige
und Herrscher dieser Welt.
Er wird den Menschen Frieden bringen.
 
König Herodes :
Steht dort auch, wo dieser König zu finden ist?
 
Ratgeberin: (Schüttelt den Kopf)
Nein. Nicht bei dem Propheten Jesaja.
Doch heißt es bei dem Propheten Micha,
dass dieser König in Bethlehem
auf die Welt kommen wird.
 
König Herodes: (zu den drei Weisen)
Ihr habt es gehört.
Geht nach Bethlehem.
Vielleicht findet ihr dort ja das Kind?
Und wenn ihr Erfolg habt,
kommt zu mir zurück,
damit auch ich zu dem Kind gehen kann.
Denn auch ich will es anbeten.
 
Musik: Abgang von allen
 
Doch König Herodes wollte das Kind nicht anbeten. Er wollte es töten. Denn er hatte Angst, dass er seine Macht an das neugeborene Kind verlieren könnte. Doch hielt er seine Absicht vor den drei Männern geheim.
 
Musik: Mache dich auf und werde licht
 
 
Szene 6: Abschluss an der Krippe
 
Aufbau: zwei Stühle für Maria und Josef, dazu eine Krippe mit dem Jesuskind Maria und Josef sitzen bereits auf den Stühlen. Auch sind alle Engel und der Stern bereits dort und haben sich hinter Maria und Josef aufgestellt.
 
Im Stall in Bethlehem ahnten die Menschen nichts von den finsteren Plänen des Königs Herodes. Dort war nichts dunkel und düster, sondern das Licht des Sterns erleuchtete die Nacht. Diesem Licht folgten die Hirten.
 
Musik: Auftritt: Stern, dazu die Hirten, die dem Stern folgen,
der Stern stellt sich neben die Krippe mit dem Kind
 
 
Hirtin 1:
Hallo. Dürfen wir eintreten?
 
Maria:
Wer seid ihr?
 
Hirtin 2:
Wir sind Hirten aus der Gegend.
 
Hirtin 7:
Wir wollen das Kind sehen.
 
Josef:
Woher wisst ihr von dem Kind?
 
Hirtin 8:
Die Engel haben uns von ihm erzählt.
 
Hirtin 1:
Wir waren bei unseren Schafen.
Plötzlich wurde es ganz hell!
 
Hirtin 2:
Da war ein Engel, der sagte:
„Fürchtet euch nicht.“
Trotzdem schlotterten uns vor Angst die Knie.
 
Hirtin 9:
Der Engel sagte:
„Ein Kind ist geboren, ganz in unserer Nähe.
Und in diesem Kind wohnt Gott.“
 
Hirtin 10:
Dürfen wir das Kind sehen?
 
Maria:
Ja, kommt her. Es liegt hier in der Krippe.
 
Musik: Die Hirten kommen zur Krippe und knien sich dort nieder.
 
Kaum knieten die Hirten vor dem Kind nieder, kündigte sich bereits der nächste Besuch an. Es waren die drei Männer aus dem Morgenland, die der Stern zu dem Stall geführt hatte.
 
Musik / Auftritt der drei weisen Männer aus dem Morgenland
 
 
Kaspar:
Seid gegrüßt, gute Frau.
Wir sind auf der Suche nach einem Königskind.
 
Maria:
Einem Königskind?
 
Melchior:
Ja. Wir sind seinem Stern gefolgt. (Zeigt auf dem Stern)
 
Balthasar:
Es heißt:
Er wird anders sein, als alle Herrscher dieser Welt.
 
Kaspar:
Er wird der Welt Frieden bringen.
Frieden in den Herzen. Und Frieden miteinander.
 
Hirtin 1:
Das ist aber noch nicht alles:
Die Ersten werden bei ihm die Letzten sein,
und die Letzten, die Ersten.
Das hat uns der Engel gesagt.
 
Josef:
Ich höre eure Worte und bin erstaunt.
Wie soll ein Mensch das alles schaffen?
Doch bei Gott ist vieles möglich,
was uns Menschen unmöglich erscheint.
So kommt her und seht.
Das Kind liegt hier in der Krippe.
 
Musik: Die Könige knien vor der Krippe nieder, dann stellen sie sich zu den Hirten.
 
Die Weisen schenkten dem neugeborenen Messias Gold, Weihrauch und Myrrhe. Danach legten sie sich gemeinsam mit den anderen schlafen. Denn alle waren müde nach dem langen Tag.
In der Nacht erschien den weisen Männern ein Engel im Traum, der sie vor König Herodes warnte. So zogen die drei weisen Männer auf einem anderen Weg zurück in ihr Land.
Auch Josef erschien ein Engel im Traum, der ihn vor Herodes warnte. Er floh mit Maria und dem Jesuskind nach Ägypten und sie kehrten erst wieder in ihre Heimat zurück, nachdem König Herodes gestorben war.
Aus Jesus jedoch wurde ein ganz besonderer König. Er regierte nicht mit Macht und Gewalt, sondern sprach zu den Herzen der Menschen. Er zeigte ihnen den Weg der Barmherzigkeit, der ihnen half, in sich Frieden zu finden und Frieden im Leben miteinander. Seitdem folgen ihm viele Menschen und mit jedem Menschen, der zu ihm kommt, wird sein Reich ein Stück größer.
 
 
Nach einer Vorlage von Harald Marohn, bearbeitet von Pfr. Paul Wassmer