Das Krippenspiel in diesem Jahr versetzt uns nach Israel, in ein weit von uns entferntes Land - und es versetzt uns in eine weit von uns entfernte Zeit, als vor zweitausend Jahren die Römer den heutigen Mittelmeerraum beherrschten.
Es begab sich aber zu der Zeit, als Kaiser Augustus regierte, dass ein Gebot von dem Kaiser ausging. Und dieses Gebot besagte:
Botin: Alle Leute im Land müssen zu ihrem Geburtsort reisen und dort Steuern zahlen.
Sind sie reich, so müssen sie viel Geld zahlen, sind sie arm,
so müssen sie wenig Geld zahlen.
So hat es der Kaiser in seiner Weisheit befohlen.
Eine solche Steuer war noch nie zuvor von einem Kaiser erlassen worden.
So war die Aufregung überall im Land groß.
Egal ob die Menschen arm waren oder reich, egal ob sie gut zu Fuß waren, oder kaum noch gehen konnten, egal, ob sie nahe an ihrem Geburtsort wohnten, oder weit von ihm entfernt,
alle mussten sich auf den Weg machen, um die Steuer zu bezahlen.
So wollte es der mächtige Kaiser in Rom.
Kaiser Augustus: Alles was zählt, ist Geld. Denn Geld regiert die Welt. Als Kaiser bin ich der reichste Mensch weit und breit. Ich brauche diese Steuer, damit das so bleibt.
So machte sich auf, auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land,
zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem. Denn Joseph war aus dem Haus Davids
und er musste in seine Geburtsstadt Bethlehem reisen, um dort seine Steuern zu bezahlen.
Und mit ihm ging Maria, seine Frau, die war schwanger.
Maria: Du, Joseph, ist es noch weit?
Joseph: Es dauert bestimmt nicht mehr lange. Dort hinten sind schon
die ersten Häuser zu sehen.
Maria: Hoffentlich finden wir in Bethlehem einen Platz zum Übernachten.
Joseph: Wer weiß? Meine Verwandten wohnen schon lange nicht mehr in dem Ort.
Wir müssen also wohl oder übel ein Gasthaus finden.
Wenn wir uns nach der Steuereinschätzung ein Gasthaus
noch leisten können.
Maria: Aber wir haben doch nur eine kleine Schreinerei!
Joseph: Aber wir haben auch nur wenig Geld. Hoffentlich reicht es ...
Das Geld reichte. Aber ein Zimmer in einer Herberge war trotzdem nirgends zu finden.
Überall, wohin Maria und Josef kamen, schüttelten die Menschen den Kopf. Doch schließlich hatte ein Wirt mit ihnen Mitleid und erlaubte Maria und Josef, in seinem Stall vor dem Dorf zu übernachten.
Joseph: Du Maria?
Maria: Ja, Joseph.
Joseph: Ich hätte nicht gedacht, dass wir noch einen Platz finden würden.
Maria: Ich auch nicht. Aber manchmal trifft man auf einen Menschen, der barmherzig ist.
Josef: Ja, ein solcher Mensch ist mehr wert, als alles Geld der Welt.
Musik: Es ist ein Ros entsprungen
Doch nicht nur die armen Menschen waren in dieser Nacht unterwegs. Auch drei weise Männer wanderten auf ihrem Weg.
Drei Könige waren es, sie folgten einem Stern. Und sie hofften und glaubten, er führe sie gern.
(Ein Stern wird auf die Bühne getragen und bleibt im Hintergrund stehen.
Ihm folgen die Engel. Dazu erklingt Musik.)
Kaspar: Was der Stern wohl zu bedeuten hat, dem wir die ganze Zeit über folgen?
Melchior: In unseren Schriften steht:
Es wird erscheinen ein Stern in dunkler Nacht, Wer ihm folgt, dem wird Glück gebracht. Er wird sehen den Herrscher der Welt der die Menschen mit seinem Licht erhellt.
Balthasar: Von wegen Licht. Wir laufen die ganze Zeit über
im Dunkeln. Und das über Stock und Stein. Ich will endlich ankommen!
Melchior: Nur Geduld. Wir sind bestimmt bald da.
Balthasar: Das hast du auch gesagt, als wir zum Palast des
Königs Herodes kamen. Doch König Herodes wusste
nichts von einem neuen Herrscher.
Kaspar: Vielleicht müssen wir ja auch in gar in keinen Palast? Vielleicht suchen wir ja einen ganz anderen König?
Balthasar: Was für ein König soll das dann sein?
Melchior: In unseren Schriften heißt es: Er wird Frieden bringen, zu jung und alt. Er wird nicht mit Macht regieren, noch mit Gewalt. Er wird versöhnen, was zuvor war getrennt. Er wird heil machen, die Wunden der Welt.
Balthasar: Und wo wohnt dieser König?
Kaspar: Das wissen wir nicht. Doch solange wir dem Stern
folgen, brauchen wir uns darüber keine Sorgen zu
machen. Der Stern wird uns sicher zu dem König
führen.
(Musik erklingt. Der Stern geht von der Bühne weg. Ihm folgen die Engel.
Ganz am Ende folgen auch die drei Könige dem Stern und den Engeln.)
So zogen die Könige weiter, durch dunkle Nacht.
Und der Stern zog vor ihnen her und gab auf sie Acht.
Musik: Stern über Bethlehem
Doch gab es noch andere Menschen in dieser Nacht. Die lebten im Dunkeln, die wurden verlacht. Die sah niemand, ja selbst Kaiser Augustus sagte sich: auf diese Menschen zähle ich nicht.
Kaiser Augustus: Nur wer Geld hat, ist in dieser Welt etwas wert. Darum seht auf mich, mein Name wird geehrt. Doch wer arm ist, der weiche meinem Blick. ihn allein nur anzusehen, lohnt sich nicht für mich.
Und doch waren es Menschen, wie du und ich.
Es waren Menschen, die brauchten ein Licht. Sie hatten jahrein, jahraus das Gleiche zu tun.
Sie hüteten Schafe und Ziegen, ohne zu Ruh´n. Doch galt ihre Arbeit bei den Menschen nicht viel. Stattdessen dienten sie nur dem Spott als Ziel.
1. Hirte: Manchmal möchte ich meine Arbeit einfach hinwerfen und weggehen.
Irgendwohin, egal wohin.
2. Hirte: Woanders bekommst du auch keine bessere Arbeit!
3. Hirte: Überall heißt es: Ihr seid zu alt!
1. Hirte: Oder: Ihr seid zu jung!
2. Hirte: Oder: Ihr könnt nichts!
1. Hirte: Wie soll ich auch etwas lernen, wenn ich den ganzen Tag auf dem
Feld herumstehe und Schafe hüte?
3. Hirte: Siehst du, deshalb wirst du auch dein Leben lang Hirte bleiben.
2. Hirte: Wenn die Menschen wenigstens nicht immer auf uns herabsehen würden!
1. Hirte: Sie sagen: wir würden stinken.
2. Hirte: Sie sagen: wir würden stehlen. 3. Hirte: Sie sagen: wir würden immer nur streiten.
2. Hirte: Sollen sie sich doch einmal hier in der Kälte die Nacht
um die Ohren schlagen, nur für ein wenig trockenes Brot!
3. Hirte: Beruhige dich. Wenn du dich aufregst, hilft dir das auch nicht weiter.
Lass uns wieder zum Lagerfeuer gehen. Dort ist es wenigstens ein wenig
wärmer.
Die Hirten setzen sich an den Rand (z.B. in die Nähe des Taufsteins) auf den Boden.
Doch in dieser Nacht war alles anders, als in allen anderen Nächten.
Plötzlich war da ein Licht, hell und klar. Und es kamen Engel zu den Hirten, groß an der Schar.
Musik: Mehrere Engel erscheinen. Ein Engel stellt sich zu den Hirten.
Die Hirten stupsen sich gegenseitig an und stehen auf.
Ein Engel tritt nach vorne und spricht:
Engel 1: Fürchtet euch nicht. Sondern freut euch vielmehr! Denn euch ist heut´ ein Kindlein geboren. Zum Herrscher der Welt hat Gott ihn erkoren. Ihr werdet ihn finden, nicht weit von hier in Windeln gewickelt, ganz ohne Zier.
Hirte 1: Herrscher der Welt. Wenn ich das schon höre. Noch so einer, der auf Macht und Gewalt setzt und die Welt in Kriege führt.
Engel 2: Nein. Dieser Herrscher ist anders. Er macht heil, was zerbrochen ist, und schenkt den Verzweifelten Hoffnung.
Engel 3: Er sieht alle Menschen, auch die, die sonst immer übersehen werden. Engel 4: Darum kommen wir auch zu euch! Ihr sollt die Ersten sein, die den neuen Herrscher sehen.
Hirte 2: Was? Wir sollen die Ersten sein?
Engel 2: Ja. Ihr müsst gar nicht weit gehen. Der Stall, in dem der neue Herrscher geboren wurde, ist ganz in der Nähe.
Hirte 3: Ein Herrscher der Welt, der in einem Stall geboren wurde? Einen solchen Herrscher würde ich gerne sehen.
Engel 1: Dann kommt. Wir führen euch zu ihm.
Musik: Lied: Stille Nacht
Maria und Josef sitzen auf zwei Stühlen. Vor ihnen ist eine Krippe.
Darin liegt eine Puppe (Das Jesuskind)
Die Hirten brachen von ihrem Lagerfeuer auf und zogen mit ihren
Schafen und Ziegen zum Stall, um das Kind in der Krippe zu sehen.
Doch in ihren Herzen konnten sie noch immer nicht glauben, was
ihnen die Engel gesagt hatten.
Musik: Engel und Hirten kommen
Josef: Hallo! Wo kommt ihr denn her?
Hirte 1: Wir sind Hirten hier aus der Gegend und wollen den Retter der Welt sehen.
Hirte 2: Er soll hier in diesem Stall sein. Und in einer Krippe liegen.
Hirte 3: Obwohl es kaum zu glauben ist: ein Herrscher der Welt, der in einem
Stall in einer Krippe liegt.
Maria: Woher wisst ihr von dem Kind?
Hirte 1: Uns sind Engel erschienen und haben uns von dem Kind erzählt.
Maria: Engel, sagtet ihr?
Hirte 2: Ja.
Josef: Was haben die Engel gesagt?
Hirte 3: Dass wir hier den Herrscher der Welt finden können.
Hirte 1: Und dass dieser Herrscher auch für die Menschen da ist, die arm sind.
Maria: Die Engel haben die Wahrheit gesagt. Kommt und seht. Das Kind liegt hier in der Krippe.
Die Hirten kommen zur Krippe und knien dort nieder. Die Engel stellen sich hinter der Krippe auf.
Doch kurz nach den Hirten, klopften bereits die nächsten Gäste an die Tür. Es waren drei vornehme Männer. Sie waren so überaus edel gekleidet, dass die Hirten bei ihrem Anblick sofort ängstlich zur Seite wichen.
Nun kommen die Könige von der anderen Seite. Sie werden vom Stern angeführt. Die Hirten weichen zur Seite aus.
Josef: Wer seid ihr, werte Herren? Und woher kommt ihr?
Kaspar: Wir sind drei weise Männer aus dem Morgenland.
Melchior: Wir folgen einem Stern. (zeigt auf den Stern)
Maria: Was wollt ihr von uns?
Balthasar: Wir wollen den Herrscher der Welt sehen.
Josef: Woher wisst ihr von ihm?
Kaspar: Wir haben von ihm in unseren Büchern gelesen.
Melchior: In diesen Büchern heißt es: Er bringt Gerechtigkeit und Frieden.
Balthasar: Und durch ihn wird die Welt eine andere werden.
Maria: Dann kommt und seht. Das Kind liegt hier in der Krippe.
Die Könige kommen zur Krippe und knien dort nieder Sie legen ihre Geschenke ab und gehen dann mit dem Stern zur Seite.
So traten die Könige zu dem Kind und knieten sich vor ihm nieder. Doch kaum waren die Könige wieder aufgestanden, erfüllte ein peinliches Schweigen den Stall. Keiner wusste, was er sagen sollte. Nicht die Könige, obwohl sie es gewohnt waren, zu reden. Und auch nicht die Hirten, die verschüchtert in einer Ecke standen.
Doch dann lächelte das Kind in der Krippe und alle, die das Kind lächeln sahen, lächelten mit ihm. Und auf einmal spielte es keine Rolle mehr, ob jemand arm war oder reich, oder ob jemand aus der Nähe kam oder aus einem weit entfernten Land.
Alles war ganz einfach. Die Könige sprachen mit den Hirten, und die Hirten mit den Königen und auch Maria und Josef lachten und freuten sich.
Das Lächeln des Kindes in der Krippe hatte ihnen das Herz geöffnet.
Die Hirten und Könige reden pantomimisch miteinander und umarmen sich.
Eine neue Hoffnung wohnte nun in ihnen und ein Friede, der so tief war, dass sie ihn mit Worten nicht beschreiben konnten.
Einen solchen Frieden schenkt Gott auch uns, in dieser Nacht, in der wir uns an das erinnern,
was damals geschehen ist. So freut euch und seid fröhlich.
Und singt mit dem Chor der Engel: „Halleluja!“ Der Retter der Welt, ist für uns da.
Musik: Celtic Halleluja
Text: umgestaltet nach einer unbekannten Vorlage von Pfr. Paul Wassmer