Der Auftrag der Engel

 
Prolog: Im Himmel
 
Hoch oben im Himmel traf sich vor über zweitausend Jahren eine Schar Engel. Unter Ihnen war auch der Erzengel Gabriel: 
 
 
Erzengel:     Hört alle her. Ich brauche eure Hilfe.
                   Ich muss auf die Erde, um die Geburt von Jesus vorzubereiten.
Engel 1:       Warum muss die Geburt von Jesus vorbereitet werden?
Erzengel:     Die Menschen sind seltsam. 
                   Sie machen, was einfach ist, schwer
                   und was schwer ist, noch schwerer.
Engel 2:      Sie verkriechen sich in ihre Sorgen.
Engel 3:      Und bekommen Angst vor sich selbst.
Engel 4:      Da braucht es schon Engel, damit diese Geschichte gut ausgeht.
Erzengel:    Genau. Ich brauche euch. Kommt ihr alle mit?
Engel:         Ja.
 
Musik     

Szene 1:    Die erste Aufgabe: Josef
 
Als Erstes zogen die Engel zu Maria und Josef nach Nazareth. Dort herrschte große Aufruhr. Maria war schwanger. Aber Josef, ihr Verlobter, war nicht der Vater ihres Kindes und wollte Maria  verlassen.
 
Engel 1:     Das müssen wir unbedingt verhindern.
Engel 2:     Genau. Sonst wächst Jesus ohne Vater auf!
Engel 3:     Aber was sollen wir tun?
Engel 4:     Wir könnten Josef ordentlich durchrütteln!
 
                 Alle Engel nicken.
 
Engel 1:    Oder wir kitzeln ihn so lange, bis er freiwillig bei Maria bleibt!
 
                Alle Engel nicken.
 
Engel 2:     Oder? … Wir erscheinen ihm in einem Traum und sagen ihm, 
                  dass das Kind ein Geschenk Gottes ist?
Engel 3:     Ja, so machen wir es!
 
Als sich Josef in der folgenden Nacht schlafen legte, erschienen ihm die Engel im Traum.
 
Musik        Josef legt sich auf eine Bank
 
 
Engel 1    Josef?
Josef       (Stimme aus dem Off): Ja. Was ist? Wer ruft mich?
Engel 2:   Wir! Die Engel!
Josef:      (Stimme aus dem Off): Was wollt ihr von mir?
Engel 3:   Wir haben eine Botschaft.
Josef       (Stimme aus dem Off): Eine Botschaft? An Mich?
Engel 4:    Ja. Das Kind, das Maria bekommt, ist von Gott.
Engel 1:    Es wird den Menschen Hoffnung schenken,Frieden und Heil.
Engel 2:    Darum musst Du unbedingt bei Maria bleiben 
                 und ihr beistehen.
 
Musik        (Abgang der Engel)    
 
Am nächsten Morgen wunderte sich Josef über seinen Traum.
Trotzdem nahm er sich die Worte der Engel zu Herzen.
Und auf einmal wurde alles, was vorher noch schwer war, leicht. 
Maria zu vertrauen, war leicht. Er liebte sie ja. 
Auf diese Liebe zu hören, war leicht.
Viel leichter, als weiter auf Maria böse zu sein.
Ja, selbst seinen verletzten Stolz abzulegen, fiel ihm leicht.
Denn so konnte er für sich wieder Frieden finden.
 
Musik:     EG 545    Mache dich auf und werde licht
 
Szene 2:     Die zweite Aufgabe: Die drei Könige aus dem Morgenland
 
Die Engel hatten es geschafft, das Herz von Josef umzustimmen.
Ihre erste Aufgabe hatten sie gemeistert. 
Als Nächstes mussten sie nun in das ferne Morgenland reisen.
Dort lebten drei weise Männer. Die Männer hatten einen neuen Stern gesehen,
konnten sich nun aber nicht einigen, was dieser Stern zu bedeuten hatte.
So stritten sie sich die ganze Zeit.
 
Engel 1:     Dieser Streit muss enden.
Engel 2:     Aber wie?
Engel 3:     Wir könnten sie ordentlich durchrütteln!
Engel 4:     Oder sie so lange kitzeln, bis sie zu streiten aufhören!
Engel 1:     Oder ihnen im Traum erscheinen!
Engel 2:     Nein. Das hatten wir alles schon.
                  Hat denn niemand eine andere Idee?
 
Die Engel überlegten hin. Und die Engel überlegten her. Währenddessen stritten die drei Männer weiter:
 
Kaspar:        Ein neuer Stern heißt, dass wir einen neuen König bekommen.
Melchior:      Bist du verrückt? Wir haben doch bereits einen König.
                    Nein. Ein neuer Stern heißt, dass es eine neue Idee gibt, wie wir leben können.
Balthasar:     Nein, ihr irrt euch beide. Ein neuer Stern bedeutet Glanz und Licht. 
                     Etwas Großes wird geschehen, das alles Bisherige in den Schatten stellt.
 
 
Musik  (Ein Engel taucht auf und trägt ein Buch vor sich.
            Er legt es auf einen Stuhl und verschwindet wieder.)
 
Kaspar:       Was ist das für ein Buch?
Melchior:     Keine Ahnung. Ich habe es hier noch nie gesehen.
Balthasar:    (Hebt das Buch auf und öffnet es. Er liest.)
                     Hier steht, dass der neue Stern den Weg zu einem neuen Herrscher zeigt.
                     Er ist mächtiger als alle anderen Herrscher, aber er verzichtet auf seine Macht.
                    (gibt das Buch weiter)
Kaspar:       (Liest): Hier steht, dass er den Menschen einen neuen Weg zum Leben weist.
                    (gibt das Buch weiter)
Melchior:     Und dass sein Licht auch in zweitausend Jahren noch leuchten wird.
 
Musik:        Der Stern taucht auf und geht langsam an den Königen vorbei. Dann wartet er.
 
                            
 
Balthasar:     Kommt, lasst uns dem Stern folgen. 
Kaspar:        Ja, wir wollen diesen seltsamen Herrscher sehen.
 
Musik:       Sie gehen zum Stern. Der Stern geht voraus und die Könige folgen ihm.
 
Musik:     EG 545    Mache dich auf und werde licht
          
Szene 3:     Die dritte Aufgabe: Der Wirt in Bethlehem
 
Die Engel hatten bei den drei weisen Männern die Neugierde geweckt,
so dass sie sich gemeinsam auf den Weg zum Stall machten.
Damit hatten die Engel auch ihre zweite Aufgabe gemeistert. 
Aber kurz darauf wartete schon die nächste Aufgabe auf sie.
Dazu mussten sie nach Bethlehem reisen.
Und sie mussten sich beeilen. Denn die Geburt des Kindes stand kurz bevor.
 
Engel 1:     Der Ort ist ja voller Menschen.
Engel 2:     Du weißt doch, die Volkszählung.
Engel 3:     Ja, alle Leute müssen sich an ihrem Geburtsort in eine Liste eintragen lassen. 
                  Und sie müssen dort Steuern zahlen. 
Engel 4:     Aber wo sollen dann Maria und Josef unterkommen? Alle Gasthäuser sind belegt!
 
Musik (Abgang der Engel / Auftritt Maria und Josef) 
 
Josef:         (klopft an)
Wirt 1:        Wir haben nichts frei. Sucht woanders eine Unterkunft.
Maria:         Habt Erbarmen. Ich bin schwanger.
Wirt 1:        Da kann ich nichts machen. Bei uns ist alles voll.
 
(Maria und Josef gehen umher.)
 
Josef:         (klopft an)
Wirt 2:        Ja? Was ist? (mürrische Stimme)
Josef:         Ich suche eine Unterkunft. Für mich und meine Frau.
Wirt 2:        Bei uns ist alles voll. Sucht woanders.
 
 
(Maria und Josef gehen umher.)
 
Josef:         (klopft an)
Wirt 3:        Ja.
Maria:         Wir suchen eine Unterkunft. Nur für eine Nacht!
Wirt 3:        Tut mir leid. Bei mir ist alles voll. Bis unter´s Dach.
 
Musik   Engel tauchen auf und stellen sich um den Wirt
 
Auf einmal kamen die Engel zu dem Wirt und flüsterten ihm ihre Worte ins Ohr
„Denk nicht immer nur an das, was du nicht hast“, sagte der erste Engel.
„Denke vielmehr an das, was du hast“, sagte der zweite Engel. 
„Es muss ja nicht immer alles so sein, wie du es gewohnt bist“, sagte der dritte Engel.
„Man kann ja auch um die Ecke denken.“ 
 
Musik: Die Engel verschwinden wieder
 
Auf einmal hatte der Wirt eine Idee.
 
Wirt 3:     (Maria und Josef drehen sich von ihm weg und  wollen weggehen)
                Moment, mir fällt gerade etwas ein.
Josef:      Ja?
Wirt 3:     Ich habe da noch einen Stall. Draußen auf dem Feld.
               Der ist leer. Dort könnt ihr übernachten.
Maria:     Danke. Vielen, vielen Dank.

So fanden Maria und Josef doch noch einen Platz, an dem sie ihr Kind auf die Welt bringen konnten.
Sie hatten ein Dach über dem Kopf, das sie vor Regen schützte, und Wände, die sie von der Kälte der Nacht bewahrten.
 
Musik:     EG 545    Mache dich auf und werde licht
 
 
 
Szene 4:     Die vierte Aufgabe: Die Hirten auf dem Feld
 
Die Engel hatten den Wirt dazu gebracht, an seinen alten Stall zu denken,
so dass Maria und Josef eine Unterkunft für sich und ihr zukünftiges Kind gefunden hatten.
Damit hatten die Engel auch ihre dritte Aufgabe gemeistert. 
Aber nun standen sie vor der vierten und schwersten Aufgabe.
Sie sollten den Hirten auf dem Feld die frohe Botschaft von der Geburt des Retters verkünden.
 
Engel 1:     Die Hirten stehen Nacht für Nacht in der Kälte.
Engel 2:     Immer ist es dunkel. Nie haben sie Licht.
Engel 3:     Sie sind immer allein und keiner achtet sie.
                  Kein Wunder, dass sie die jede Hoffnung verloren haben.
Engel 1:     Genau. Die haben sich so tief in ihre Sorgen vergraben, die hören uns gar nicht zu.
Engel 4:     Außer wir kommen mit ganz viel Wumms.
Engel 1:     Mit Wumms?
Engel 4:     Ja, mit Wumms! Wir müssen alle Engel zusammentrommeln. 
                  Und wir brauchen Gabriel. Der ist groß. 
                  Dazu brauchen wir Licht. Ganz viel Licht. Und Musik natürlich.
Engel 2:     Klar. Mit Musik geht alles besser.
 
Musik:     Abgang der Engel. Auftritt der Hirten. Sie setzen sich auf eine Bank.
 
Gemeinsam mit dem Erzengel Gabriel machten sich die Engel auf den Weg zu den Hirten auf dem Feld.
 
Musik   Die Hirten sitzen auf einer Bank
 
 
Auftritt der Engel
       
Erzengel:    Fürchtet euch nicht
                   Denn siehe, ich verkündige euch große Freude
                   Der Herr, der Retter ist geboren.
                   Ihr werdet ihn finden,
                   nicht weit von hier
                   in einem Stall
                   in einer Krippe liegen.
 
Musik        Abgang der Engel
 
Hirte 1:     Habt ihr das auch gehört?
Hirte 2:     Ja. Und gesehen.
Hirte 3:     Eine riesige Engelschar.
Hirte 4:     Und ganz viel Licht!
Hirte 1:     Das war wunderbar. 
                 Die Welt kann so schön sein, selbst für uns.
Hirte 2:     Kommt! Lasst uns den Stall suchen, von dem der Engel gesprochen hat.
Hirte 1:     Aber wie sollen wir den Stall finden? Es ist dunkel!
 
Musik:  Auftritt des Sterns. Er zieht an den Hirten vorbei und bleibt stehen.
 
Hirte 2:     Steht ihr den Stern dort. 
Hirte 3:     Ja. Lasst uns dem Stern folgen.
Hirte 4:     Er führt uns zu dem Stall.
 
Musik        Abgang der Hirten. Umbau: Maria und Josef sitzen mit dem Jesuskind bei einer Krippe.
                Um sie herum stehen die Engel.
 
 
    
So machten sich auch die Hirten auf den Weg zum Stall. Sie trafen dort Maria, Josef und das Kind. 
 
Musik: Die Hirten kommen mit dem Stern am Stall an.
 
Und sie trafen die drei Könige aus dem Morgenland

Musik: Die drei Weisen aus dem Morgenland kommen und legen ihre Geschenke ab.
   
Die Engel waren stolz auf sich:
Sie hatten Josef geholfen, auf sein Herz zu hören.
Sie hatten die drei Weisen dazu gebracht, ihren Streit abzulegen.
Sie hatten dem Wirt geholfen, sich an den Stall zu erinnern.
Und sie hatten den Hirten Hoffnung geschenkt. 
Alle ihre Aufgaben hatten die Engel gemeistert. So konnten nun jung und alt, arm und reich,
Menschen aus der Nähe, wie auch Menschen aus der Ferne Weihnachten feiern 
und Hoffnung finden für ihre Seele 
und Frieden für die Welt.
 
 
Lied: NL 148    Celtic Halleluja