Das Hirtenmädchen mit der Flöte

Szene 1: Die Hirtinnen und Hirten
 
Musik Auftritt alter Hirte mit dem Stock und das Mädchen
 
Sprecher/in:
Vor langer, langer Zeit lebte einmal ein alter Hirte in der Nähe von Bethlehem. Er hütete dort mit den anderen Hirtinnen und Hirten die Schafe. Weil er die Sterne liebte, übernahm er oft die Wache in der Nacht. Stundenlang stand er auf seinem Stock gestützt da und sah zum Himmel hoch. An manchen Abenden war auch seine Enkeltochter bei ihm. Sie sollte eines Tages ebenfalls Hirtin werden.
 
 
Alter Hirte:   Siehst du den Stern dort oben?
                    (deutet mit der Hand nach oben)
 
Mädchen:    Der so hell leuchtet?
 
Alter Hirte:   Ja. Er ist für mich ein Hoffnungszeichen.
 
(Kurze Pause, das Mädchen sieht nach oben. Danach spricht sie:)
 
Mädchen:   Auf was hoffst du denn, Großvater?
 
Alter Hirte:  Dass jemand zu uns kommt und dass alles ganz anders wird.
 
Mädchen:   Das hoffe ich auch.
 
(Beide sehen noch einmal nach oben und gehen dann ab)
 
Sprecher/in:
In dieser Nacht waren auch einige andere Hirtinnen und Hirten wach. Sie hatten dem Gespräch der beiden zugehört.
 
Musik / Auftritt der Hirten
 
 
Hirtin 1:    Ha! Wenn ich das schon höre!
 
Hirte 2:    Genau. Wir Hirtinnen und Hirten haben nichts zu hoffen.
 
Hirtin 3:    Die Leute zeigen immer nur mit dem Finger auf uns:
                 Ihr stinkt wie die Schafe, sagen sie.
 
Hirte 2:     Genau. Keiner kommt zu uns.
                 Nicht einmal der Steuereintreiber.
 
Musik - Die Hirten gehen ab, der alte Hirte und das Mädchen kommen zurück
 
Mädchen:   Großvater? Was weißt du über den, der da kommen soll?
 
Alter Hirte:  Durch ihn wird alles anders!
 
Mädchen:  Wird er mich denn beschützen,
                  wenn die anderen Kinder mit Steinen nach mir werfen?
                  Hat er ein Schwert?
 
Alter Hirte:  Er wird dich beschützen.
                   Aber ob er ein Schwert hat, das weiß ich nicht.
 
Mädchen:  Aber er hat doch sicher eine goldene Krone und einen goldenen Mantel?
 
Alter Hirte:  Er wird bestimmt nicht mit geflickten Kleidern herumlaufen,
                   so wie wir. Aber ob er eine Krone hat oder ein goldenes Gewand,
                   das kann ich dir nicht sagen.
 
Mädchen:   Großvater? Woher weißt du dann etwas von ihm?
 
Alter Hirte:  Ich habe einmal jemanden gehört, der von ihm erzählt hat.
                   Die Worte von damals sind mir im Gedächtnis hängen geblieben.
 
Musik / Auftritt des Sprechers
 
Hört auf die Worte des Propheten Jesaja:
Das Volk, das im Finstern wandelt, wird ein großes Licht sehen. Es wird hell über allen Menschen scheinen, die im Dunkeln wohnen. Denn ein Kind wird uns geboren, ein Sohn wird uns geschenkt und die Herrschaft wird auf seinen Schultern ruhen. Er wird nicht durch Macht regieren, sondern durch sein Wort. Etwas von Gott, dem ewigen Vater, wird in ihm aufscheinen und er wird Gottes Frieden zu den Menschen bringen.
 
Musik / Abgang des Sprechers
 
Alter Hirte:      Vielleicht kommt er ja ohne Krone,
                       ohne Schwert und ohne goldenen Mantel.
                       Trotzdem ist er mächtiger als alle Könige der Welt.
                       Aber wie es genau sein wird, das weiß ich nicht.
 
Mädchen:        Ich glaube dir trotzdem, Großvater.
                        Und wenn dieser König zu uns kommt,
                        will ich ihm ein Lied auf meiner Flöte vorspielen.
 
Alter Hirte:        Aber ich habe dir die Flöte doch gestern erst fertig geschnitzt.
                         Du kannst doch noch gar nicht spielen.
 
Mädchen:         Für ihn werde ich Flöte spielen lernen.
 
Der alte Hirte geht ab. Das Mädchen setzt sich auf einen Stuhl und fängt an zu spielen. Es kommt nur ein Ton heraus. Dann Pause. Dann ein neuer Ton. Dann geht sie ab.
 
Szene 2: Die drei Könige und die Frau
 
Sprecher/in:
Während das Hirtenmädchen auf ihrer Flöte übt, versucht weit entfernt eine Frau die Grenze zu überqueren. Sie ist arm, doch hat sie der Soldat bisher trotzdem jedes Mal über die Grenze gelassen. Doch nun soll ein neuer Soldat an der Grenze Wache halten.
 
Musik Auftritt: Soldat und Frau
 
 
Soldat:    Halt! Jeder der über die Grenze will, muss bei mir bezahlen.
 
Frau:       Aber ich habe kein Geld.
 
Soldat:    Das mir egal! Ohne Geld kommst du nicht über die Grenze.
 
Sprecher/in:
Die Frau kehrt unverrichteter Dinge zurück. Sie ist traurig. Ja verzweifelt. Was soll sie nur tun? Doch dann sieht sie eine seltsame Reisegruppe.
 
Die drei Könige ziehen an der Frau vorbei Vor ihnen geht der Stern.
Die Frau sieht ihnen hinterher.
 
Sprecher/in:
Als die Frau sieht, dass drei Könige an ihr vorbeiziehen, wird sie neugierig und folgt ihnen. Nach einiger Zeit traut sich sich, einen der Könige anzusprechen.
 
Frau:      Könnt ihr mir helfen? Ich will über die Grenze!
 
Sprecher/in:
Der König nickt und lädt sie ein, mit ihnen zu kommen. Der König sagt, sie folgen einem Stern. Dieser Stern scheint für arme Menschen wie für reiche. Er würde auch sie über die Grenze führen.
 
Die Gruppe zieht mit der Frau weiter
 
Sprecher/in:
Die drei Könige und die Frau erreichen schließlich die Grenze. Als der Soldat die Könige sieht, geht er zur Seite. Die Könige dürfen ohne zu bezahlen die Grenze übertreten.
 
 
Alle ziehen am Soldaten vorbei
 
Soldat:     Halt, dich kenne ich doch. Du kannst hier nicht durch.
 
Sprecher/in:
Der Soldat will die Frau festhalten. Doch dann greifen die Könige ein.
 
Die Könige drehen sich um und heben ihre Arme. Es entsteht ein pantomimisches Streitgespräch.
 
Sprecher/in:
Die Könige reden lautstark auf den Soldaten ein. Doch der Soldat sagt, dass jeder der über die Grenze will, vorher bei ihm etwas bezahlen muss. Die Könige erwidern, dass sie doch auch nichts bezahlt hätten. Da weiß der Soldat nicht mehr weiter und er lässt die Frau über die Grenze.
 
Die Gruppe zieht vom Soldaten weg
 
Sprecher/in:
Gemeinsam mit den Königen passiert die Frau die Grenze. Als sie von den Königen mehr über den Stern erfährt, schließt sie sich ihnen an. Sie will erfahren, wohin sie der Stern am Ende führt.
 
Musik, Abgang Soldat
 
Szene 3: Die Engel
 
Sprecher/in: Mehrere Wochen sind vergangen. Das Hirtenmädchen hat jeden Tag auf ihrer Flöte geübt. Ihr Flötenspiel ist dadurch immer besser geworden. Sie trifft nun die Töne und kann auch den Rhythmus halten.
 
Auftritt Mädchen, sitzt und spielt Flöte
Flötenspiel (noch nicht perfekt, aber langsam schon einigermaßen gut)
Die 3 Hirten kommen dazu
 
 
Hirtin 1:   Das Flötenspiel klingt ja gar nicht mehr so grässlich.
 
Hirte 2:    Trotzdem will ich nichts mehr davon hören.
                Es macht keinen Sinn, Musik zu machen.
                Genauso wenig wie es Sinn macht, zu hoffen.
 
Hirtin 3:   Genau. Die Hoffnung macht alles nur noch schlimmer.
 
Hirte 2:    Dabei haben wir es auch ohne Hoffnung schon schwer genug.
 
Hirtin 1:   Seht, jetzt fängt es auch noch an zu schneien.
 
(von oben fällt „Schnee“ herunter)
 
Hirtin 3:    Mir ist kalt.
 
Hirtin 1:   Und das Feuer ist ausgegangen.
 
Hirte 2:   Seht ihr: es gibt für uns nichts zu hoffen.
 
Mädchen:  Ihr habt Recht. Ich höre mit dem Flötenspiel auf.
                  Es ist sowieso viel zu kalt, um Musik zu machen.
 
Musik / Die Hirtinnen und Hirten sitzen frierend da
 
Sprecher/in:
Die Hirtinnen und Hirten haben jede Hoffnung aufgegeben und mit ihrer Hoffnungslosigkeit auch das Hirtenmädchen angesteckt. So schläft sie traurig und frierend am abgebrannten Lagerfeuer ein. Doch mitten in der Nacht kommen die Engel.
 
Musik (Halleluja)
 
Die Engel treten auf und stellen sich hinter die Hirten. Der erste Engel legt seine Hände auf die Schultern des ersten Hirten. Er wacht auf und beginnt zu sprechen: (bei den nächsten beiden Hirten ist es genauso). Der Stern bleibt stehen.
 
 
Hirtin 1:    Ich spüre Kraft.
 
Hirte 2:     Ich spüre Hoffnung.
 
(Ein Stern wird vorbei getragen und geht seitlich ab. Die Engel folgen ihm)
 
Mädchen:  Ich sehe ein Licht.
 
Hirtin 3:     Habt ihr so etwas schon einmal gesehen?
 
Hirtin 1:     Nein. Noch nie!
 
Hirte 2:      Ich komme mir vor, als wäre ich neu geboren.
 
Hirtin 3:     Mir geht es genauso.
 
Mädchen:  Habt ihr das Licht gesehen?
 
Hirtin 1:      Ja. Es war direkt vor mir.
 
Hirte 2:      (zeigt in Richtung, in der das Licht verschwunden ist)
                  Es ist in dieser Richtung verschwunden.
 
Hirtin 3:      Kommt, lasst uns dem Licht folgen.
                  Ich will wissen, wohin es uns führt.
 
Alter Hirte:  Ja, lasst uns dem Licht folgen.
 
Musik, die Hirten und die Engel ziehen ab
 
Szene 4: Maria und Josef 
 
Auf der Bühne sind zwei Stühle für Maria und Josef, dazu eine Krippe mit einer Puppe aufgebaut. Während die Musik zu hören ist, kommen die Engeln dazu. Sie stellen sich hinter Maria und Josef.
 
Sprecher/in:
In dieser Nacht wurde in einem Stall in Bethlehem ein Kind geboren. Das Eltern-Paar ist nach der Geburt völlig erschöpft, aber glücklich.
 
Musik
 
 
Maria:   Du Josef?
 
Josef:   Ja, Maria.
 
Maria:   Hättest du gedacht, dass wir unser Kind
             hier in einem Stall auf die Welt bringen?
 
Josef:    Nein. Nie. (Er schüttelt den Kopf)
 
Maria:   Und hättest du gedacht, dass aus unserem Kind
             einmal der König aller Könige wird?
 
Josef:  (schüttelt erneut den Kopf) Nein.
 
Maria:   Kein Wunder, hier sieht es ja auch nicht besonders königlich aus.
             Wir sitzen in einem Stall und haben nicht einmal ein Bett,
             um unser Kind hineinzulegen.
 
Josef:   (nickt) Ja, man könnte meinen,
            Gott und die Welt hätten uns vergessen.
 
Musik: Auftritt Stern.Er geht zur Krippe und stellt sich zu den Engeln.
 
Sprecher/in:
Doch als Maria und Josef fast schon dachten, dass sie wirklich von Gott und der Welt verlassen sind, fing auf einmal ein Licht an zu leuchten. Mit dem Licht kamen drei Könige, die dem neugeborenen Kind Geschenke brachten: Gold, Weihrauch und Myrrhe.
 
Auftritt der Könige mit dem Diener und der Frau
Die Könige legen ihre Geschenke ab
 
Sprecher/in:
Ganz zuletzt kam auch die Frau und legte ihr Geschenk bei dem neugeborenen Kind ab. Es war nur ein kleines Geschenk, doch kam es von Herzen.
 
Die Frau legt ein kleines Geschenk ab
 
Sprecher/in:
Maria und Josef sahen die Könige und die Frau mit großen Augen an. Sie hätten nie und nimmer damit gerechnet, dass Sie jemand hier in diesem Stall besuchen könnte. Sie bedankten sich bei den Königen und bei der Frau für die Geschenke. Doch bevor sie länger miteinander sprechen konnten, kam schon der nächste Besuch.
 
Musik Hirtenmusik
Die Hirtinnen und Hirten kommen auf die Bühne
 
Mädchen:     Boah, hier sind ja Könige.
                     (Sie zeigt mit den Fingern auf die Könige und zählt):
                     Eins, zwei, drei!
Alter Hirte:    Das kommt mir eigenartig vor.
                      Ich habe immer nur von einem König gehört.
 
Mädchen:      Ich frage, wer der richtige König ist.
 
Das Mädchen rennt auf den ersten König zu:    Bist du es?
(Der König schüttelt den Kopf)
Zum zweiten König:                                            Oder du?
(Der König schüttelt den Kopf)
Zum dritten König:                                              Oder seid ihr es alle drei zusammen?
(Der König schüttelt den Kopf)
 
Hirtin:     Ich glaube, keiner von ihnen ist der König, den zu suchst.
 
Hirte 2:   Ja, der richtige König liegt hier in die Krippe.
 
 
Mädchen:   Aber das ist doch nur ein Kind! Wo ist seine Krone?
                   Wo ist sein Schwert? Und wo ist der goldene Mantel?
 
Maria:        Dieses Kind braucht keine Krone: Das Licht ist seine Krone.
 
Frau:         Es braucht auch kein Schwert.
                 Seine Worte werden sein Schwert sein.
 
Alter Hirte:        Und die Menschen, die nach seinen Worten leben,
                         werden sein Mantel sein. Alles ist ganz genauso,
                         wie ich es mir vorgestellt habe.
                         Und gleichzeitig ist alles ganz anders und noch viel wunderbarer.
 
Mädchen:    Du hast recht. Es ist wunderbar.
                    Darf ich denn dem König der Könige
                    etwas auf meiner Flöte vorspielen?
 
Maria:           Ja. Du würdest uns damit allen eine große Freude machen.
 
Der Mädchen nimmt die Flöte und fängt an zu spielen
 
Sprecher/in:
So erlebten die Menschen damals ihr erstes Weihnachten. Es wurde Weihnachten für die Hirtinnen und Hirten, die ihre Hoffnung aufgegeben hatten, wie auch für den alten Hirten. Es wurde Weihnachten für die Frau, die es fast nicht geschafft hätte, die Grenze zu überqueren, wie auch für die drei Könige aus dem Morgenland. Und auch für Maria und Josef und für die Engel wurde es Weihnachten. Sie alle freuten sich an der Musik des Hirten-mädchens, das dem König, dessen Krone aus Licht war, dessen Schwert das Wort war und dessen Mantel aus den Menschen bestand, die nach seinem Wort lebten, ihr ganz eigenes Weihnachtsgeschenk machte. Ein Geschenk, das selbst dem kleinen Kind in der Krippe ein Lächeln auf das Gesicht zauberte.
 
Musik
(Alle kommen nach vorne und verbeugen sich)