Gemeindebote Weihnachten 2020

Sie finden hier die Andacht zum Beginn des Gemeindeboten und die Einladung zur Stallweihnacht:
 
 
 
 
„Und siehe, der Stern ging vor ihnen her, 
bis er über dem Ort stand, an dem das Kind war.“ 
(Matth. 2, 9)
 
 
Liebe Leserin, lieber Leser des Gemeindeboten
 
Da sind wir also wieder, mitten im Lockdown. Da sind wir mit unserem Frust, über das, was im Moment nicht mehr geht, mit unseren Sorgen um unsere Gesundheit und um die Gesundheit der Menschen, die wir lieben, wie auch mit unseren Ängsten vor der ungewissen Zukunft.

Keine Krise ist leicht, sonst wäre es keine Krise. Krisen verunsichern und bringen uns an unsere Grenzen. Sie locken manchmal unsere besten, manchmal aber auch unsere schlechtesten Seiten hervor. Vor allem aber machen sie uns ungeduldig. Wie lange noch?, ruft es in uns und unsere Augen blicken sehnsuchtsvoll auf das Frühjahr, wenn die Sonne wieder scheint und es vielleicht erste Erfolge durch eine Impfung gibt.
 
Dazwischen liegt aber erst einmal der Winter. Und mitten darin: Weihnachten. Auch dieses Fest hat mit Warten zu tun. Jeden Adventssonntag zünden wir eine Kerze mehr am Adventskranz an und nähern uns so Schritt für Schritt Weihnachten. So wächst die Erwartung und wir öffnen uns für das Fest, in dem wir uns an die Geschichte von Maria und Josef erinnern. Auch sie hatten es damals vor 2000 Jahren nicht leicht. Sicher, damals gab es keine Corona-Pandemie, die das Land lahmlegte, dafür aber ein Edikt des fernen Kaisers aus Rom, der die Menschen im ganzen Land zwang, sich an ihrem Geburtsort zählen zu lassen – und dabei eine Steuer zu zahlen. So machte sich auch Josef auf den Weg, gemeinsam mit seiner jungen Frau Maria. Obwohl sie hochschwanger war, begleitete sie ihren Mann von Nazareth, im Norden Israels, nach Bethlehem, das mitten im Gebirge südlich der Hauptstadt Jerusalems liegt. Viele Tage waren sie unterwegs. Kalt war es und die Wege waren oft mühsam. Je nachdem, welche Route sie damals wählten, mussten sie am Ende über 1000 Höhenmeter überwinden. Das kostete Kraft. Doch als sie am Ende schließlich in Bethlehem ankamen, fanden sie dort wegen der vielen Leute keine Unterkunft. Nein. Idyllisch war das alles nicht. 

Trotzdem erzählen wir diese Geschichte Jahr für Jahr weiter, bis heute. Und obwohl viele Menschen diese Geschichte kennen, berührt sie trotzdem immer wieder ihre Herzen. Warum? Ich glaube, es liegt daran, dass die Welt in der Weihnachtsgeschichte nicht heil ist. Da werden immer wieder Risse sichtbar, die sich damals durch die Welt zogen. Die Weihnachtsgeschichte erzählt von der Kälte in der Welt, die Menschen ohne Unterkunft ließ … und – in der Geschichte der Hirten auf dem Feld – von Menschen, die am Rand der Gesellschaft lebten und die keiner beachtete. 
 
Doch die Weihnachtsgeschichte belässt es nicht dabei. Denn mitten in diesen Brüchen erscheint ein Stern, der hoffnungsvoll über allem leuchtet. Mitten in diesen Brüchen hat jemand Mitleid und gibt dem armen Paar eine Unterkunft, so dass Maria und Josef die Nacht nicht draußen verbringen müssen. Dort im Stall wird schließlich Jesus geboren. Und alle kommen. Zuerst die Hirten auf dem Feld, die, die sonst keiner beachtet. Zu ihnen kommen die Engel und verkünden ihnen die frohe Botschaft als Erstes. Die Prominenz kommt erst später. Sie sind ja auch weit gereist. Dafür bringen sie aus dem Morgenland reiche Geschenke mit: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Alle treffen sich an der Krippe im Stall. Und plötzlich wächst, mitten im Provisorischen, mitten im Unbehausten, so etwas wie Heimat und Heil, so dass für einen Augenblick, für eine Nacht, alles gut ist. Was danach kommt, wissen wir. Da schlägt die Welt wieder zu. Mit der Drohung von Gewalt. Mit einer dramatischen Flucht. Mit einer eiligen Abreise der drei Weisen, die wohlweislich den Weg über das nahe Jerusalem meiden. 

Doch etwas bleibt. Es bleibt die Freude. Es bleibt der eine Moment, in dem alles gut war. Und es bleibt die Hoffnung. Die Hoffnung, dass dies alles der Anfang einer neuen Geschichte ist, in der andere Dinge zählen als Macht oder Geld. Darum erzählen wir jedes Jahr die Geschichte von Weihnachten weiter. Weil sie eine Hoffnungsgeschichte ist. Und weil sie uns, anhand der Menschwerdung Gottes, erzählt, wie wir heute Menschen sein können, mitten in diesen Corona-Zeiten.
Liebe Leserin, lieber Leser des Gemeindeboten
 
Dieser Winter wird anders sein, als viele Winter zuvor. Und doch liegt mitten in dieser Zeit, in der die Corona-Krise ihren Schatten auf uns wirft, das Weihnachtsfest, das uns auf seine Weise vom Heil erzählt und uns einlädt, an diesem Heil teilzuhaben, damit wir nicht heillos durch unsere Welt gehen.

So wünsche ich Ihnen in dieser ungewöhnlichen Adventszeit, dass sie das Warten und die Erwartung nicht aufgeben. Ich wünsche Ihnen auf dem Weg zu Weihnachten viele Momente der Freude. Vor allem aber wünsche ich ihnen etwas von dem Licht von Weihnachten, das uns auch in diesen manchmal dunklen Zeiten Hoffnung schenkt.
 
Ihr Pfr. Paul Wassmer
 

Stall-Weihnacht in Maulburg

Wie feiern wir an Heilig Abend Weihnachten? Wen laden wir ein? Was wird in diesen Coronazeiten möglich sein und was nicht? Diese Fragen beschäftigen im Moment viele Menschen. Schließlich rückt das Weihnachtsfest immer näher. Da ist es gut, wenn man sich im Vorfeld Gedanken macht.
 
Auch wir als evangelische Gemeinde haben uns über Weihnachten Gedanken gemacht. Bei einem Gottesdienst an Heilig Abend in der Kirche – das war uns schon im Sommer klar – würden unter Corona-Bedingenen die Plätze niemals reichen. So haben wir uns draußen umgesehen und sind dabei auf die Wiese der Familie Krumm gestoßen, die unterhalb des Friedhofs liegt. Dort ist ein Stall – ganz wie in der Weihnachtsgeschichte – und eine große Wiese, die nach hinten erhöht ist, so dass man auch weiter hinten noch etwas sehen kann. Es hat dort Platz, so dass alle den Mindestabstand von 2 Meter einhalten können und anschließend ist der Weg zum Friedhof nicht weit, auf dem traditionell an Heilig Abend der Musikverein spielt. Groß war unsere Freude, als die Familie Krumm auf unsere Anfrage positiv reagierte und auch der Musikverein zusagte, mit einer Abordnung den Gottesdienst musikalisch zu begleiten. Aber dann stiegen die Zahlen von Corona im Oktober plötzlich wieder an und der Lockdown kam. Was also wird sein? Können wir unsere Pläne durchführen?
 
Im Moment wissen wir es noch nicht. Aber wir sind zuversichtlich. Es ist auf jeden Fall besser, draußen Gottesdienst zu feiern, als drinnen. Auch wenn dies heißt, dass wir uns mit festem Schuhwerk und mit einem Regenschirm auf den Weg zum Gottesdienst an Heilig Abend machen. Es wird ein anderer Gottesdienst sein – allein schon durch den Ort – aber auch durch Corona. Er wird kürzer sein. Alle, die mitfeiern, werden nach dem momentanen Stand der Dinge eine Mund-Nasen-Maske benötigen. Auch ist es im Moment noch unklar, ob es möglich ist zu singen. Trotzdem wollen wir feiern. Mit Musik, mit dem Licht von Bethlehem, das alle Gottesdienstbesucherinnen und -besucher mit nach Hause nehmen können und mit der Weihnachtsgeschichte aus der Bibel, unseren Gebeten und all´ dem, was zu einem Gottesdienst dazugehört. 

 Wenn es das Versammlungsrecht über Weihnachten erlaubt, werden wir an Heilig Abend um 16.30 Uhr einen Gottesdienst für alle feiern. Die Wiese ist groß. Da ist genügend Platz zum Abstandhalten vorhanden. Wenn es bei der Zahl der Gottesdienstteilnehmer Beschränkungen gibt (momentan sind bei Gottesdiensten im Freien 100 Personen erlaubt), werden wir versuchen, zwei Gottesdienste an Heilig Abend auf der Wiese zu feiern. Einen Gottesdienst um 15.00 Uhr und einen zweiten um 16.30 Uhr. Auch laden wir – wie jedes Jahr – zu einem Abendgottesdienst an Heilig Abend in die Kirche ein.
 
Wie es genau sein wird, wissen wir im Moment noch nicht. Aber wir freuen uns auf Sie, draußen am Stall, so wie damals bei Maria und Josef. Dabei bitten wir Sie, sich im Vorfeld über das Amtsblatt oder die Presse über die genauen Uhrzeiten zu informieren. Auch im Schaukasten vor der Kirche oder auf unserer Internetseite können sie vor Weihnachten Näheres erfahren. 
 
Ihr Pfr. Paul Wassmer