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Sie finden hier die Andacht am Anfang des Gemeindeboten und einen Blick auf die Gottesdienste:
Besinnliches

"Nicht müde werden,
sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel die Hand hinhalten"
Liebe Gemeindebriefleserinnen und -leser,
Glauben sie an Wunder? Oder glauben sie nur das, was Sie auch sehen können?
Glauben sie an Wunder? Oder glauben sie nur das, was Sie auch sehen können?
Ich weiß ja nicht, wie Ihre Antwort auf diese Frage aussieht, aber bei mir schwankt die Antwort je nach Tagesform und je nachdem, was mir gerade alles als „Wunder“ angeboten wird. Trotzdem begleitet mich diese Frage immer wieder auf die eine oder andere Weise. Denn manchmal bin ich „kleingläubig“ und lehne alles ab, was nicht in mein Weltbild passt, auch wenn meine Welt dann schnell klein wird, weil ich immer nur das Gleiche sehe und nur das Gleiche glaube. Auch gibt es ja so vieles in unserer Welt, das wir nicht sehen können und das doch da ist. Die Luft zum Beispiel, die wir jeden Tag ein- und ausatmen oder das Licht, das uns zwar das Sehen ermöglicht, das wir aber selbst so nie richtig in den Blick bekommen. Zudem wird die Welt schnell langweilig, wenn wir die Wunder aus ihr verbannen und es nichts mehr gibt, über das wir staunen können. Umgekehrt kann einen der Wunderglaube aber auch ganz schön in die Irre führen. Und das nicht nur, wenn einem das „Wunder der Liebe“ begegnet. Trotzdem: Wunder beglücken. Wunder überraschen. Wunder bringen uns immer wieder ins Staunen, so dass wir genauer hinsehen und dabei merken: unsere Welt ist noch viel komplizierter, als wir es ohnehin schon meinten.
Einem, ja vielleicht sogar dem größten Wunder überhaupt nähern wir uns in diesen Tagen mit dem Osterfest, in dem von dem Wunder von Ostern erzählt wird. Dabei fängt die Ostergeschichte gar nicht wundervoll an, sondern mit einer grausamen Ermordung eines unschuldigen Menschen. Aber dabei bleibt es zum Glück nicht. Denn das Wunder geschieht, dass dort, wo alle dachten, die Geschichte wäre zu Ende, etwas Neues beginnt. Unerklärlich war dies für die Menschen damals, genauso unerklärlich wie für uns heute. Was tot ist, ist tot, sagen wir. Das entspricht unserer Erfahrung. Und doch bleibt ein letzter Rest von Zweifel. Wächst nicht jedes Frühjahr aus scheinbar toter Erde wieder neues Leben? Was also wäre, wenn tot doch nicht für immer tot hieße und am Ende Gott und das Leben siegte?
Und wäre es nicht schön, wenn es auch heute noch das eine oder andere Wunder gäbe und – nur um ein Beispiel zu nennen - man mit einem Fingerschnippen diese ganze Corona-Pandemie davonjagen könnte? Doch Vorsicht. Wunder sind keine Wunschvorstellungen. Gerade das Wunder von Ostern zeigt das deutlich. Sicher, für die Freunde Jesu war es damals bestimmt wundervoll, Jesus wiederzusehen. Aber umarmen konnte ihn Maria Magdalena trotzdem nicht. Und auch sonst war nichts, wie es vorher war. Die Leute hatten noch immer Angst. Und viele hatten Zweifel. Und doch hatte sich etwas ganz Entscheidendes verändert. Denn dort, wo vorher noch scheinbar alle Wege endeten, öffneten sich plötzlich Neue. Auch schien nun dort, wo vorher noch alles dunkel und düster war, ein Licht. Aber auch dieses Licht schien am Anfang nicht für alle. Denn gesehen haben ihn zuerst nur wenige. Und diese Wenigen dazu noch in einer ganz seltsamen Reihenfolge. Maria Magdalena war vermutlich die Erste. Ausgerechnet eine Frau, riefen die Leute damals und unkten, dass man ihr nicht trauen könnte, schließlich hätte sie ja nicht gerade den besten Ruf. Als nächstes erschien Jesus den beiden Männern auf ihrem Weg nach Emmaus. Warum gerade Ihnen?, fragten sich damals manche. Schließlich waren die beiden bis dahin nicht gerade durch ihren Übereifer aufgefallen, sonst hätte man ihre Namen schon an anderen Stellen in der Bibel gelesen. Die beiden Männer aus Emmaus standen also in der damaligen Rangliste, wenn es eine solche Rangliste denn gab, nicht gerade an der oberster Stelle. Warum also erschien Jesus ihnen und nicht Petrus? Oder Johannes und Jakobus? Sie alle haben bestimmt darauf gewartet. Vermutlich sogar sehnlichst. Aber nichts geschah. Obwohl sie zum engsten Kreis um Jesus gehörten, konnten sie das Wunder nicht erzwingen.
Wie also mit Wundern umgehen, wenn man sie nicht einfordern kann und sie auch nicht alles einfach wieder in Ordnung bringen, wie wir es gern hätten?
Eine für mich passende Haltung im Umgang mit Wundern beschreibt die Dichterin Hilde Domin in den Zeilen, die auch auf der Titelseite dieses Gemeindeboten zu finden sind. Dort heißt es:
"Nicht müde werden,
sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel
die Hand hinhalten"
sondern dem Wunder
leise wie einem Vogel
die Hand hinhalten"
„... dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hin halten.“ Vielleicht ist dies ja die angemessene Art, sich den Wundern zu nähern? Sie nicht einzufordern, als seien sie unser gutes Recht, sie nicht einzuplanen, als könnte man mit ihnen rechnen, sie aber auch nicht zu verleugnen, nur weil sie nicht nach unserer Nase tanzen. Nein, das alles nicht. Statt dessen: ihnen die Hand hinhalten. Leise, vorsichtig, so wie man es tut, wenn man einem Vogel Futter gibt.
Vielleicht kommt dann ja das Wunder ebenso leise und vorsichtig bei uns vorbei? Vielleicht sogar so leise, dass wir es am Anfang gar nicht bemerken und wir erst nachträglich, im Rückblick, begreifen, wie wunderbar es doch war?
Vielleicht kommt dann ja das Wunder ebenso leise und vorsichtig bei uns vorbei? Vielleicht sogar so leise, dass wir es am Anfang gar nicht bemerken und wir erst nachträglich, im Rückblick, begreifen, wie wunderbar es doch war?
Wie auch immer, eines ist auf jeden Fall klar: die Welt ist spannender für alle, die vor den Wundern in dieser Welt nicht ihre Augen verschließen, sondern damit rechnen, dem einen oder anderen Wunder auch in ihrem Leben zu begegnen. Petrus, Johannes oder Jakobus können davon ein Lied singen. Ein freudiges Lied. Weil ihr Wunder sie damals verwandelt hat.
Einen offenen Blick für solche Wunder, dem Wunder der Musik, dem Wunder des Lebens oder auch dem Wunder der Auferstehung mitten im Leben, so dass wieder etwas zu leben beginnt, das doch tot war, wünsche ich Ihnen in diesen österlichen Corona-Zeiten. Und ich wünsche ihnen, dass sie sich trauen, diesem Wunder, wenn es bei Ihnen vorbeikommt, leise wie einem Vogel die Hand hinzuhalten, so dass es bei Ihnen Halt macht und Ihnen Hoffnung schenkt.
Ihr
Pfr. Paul Wassmer
Gottesdienste von Weihnachten bis Ostern
Ein so ruhiges Weihnachtsfest wie in diesem Jahr haben viele Menschen noch nie in ihrem Leben erlebt. Kein Gang zur Kirche, kein großes Familientreffen, … das alles hat der kurz vor Weihnachten verschärfte Lockdown und die gestiegene Zahl der Neuinfektionen in unserem Landkreis unmöglich gemacht. Auch der von unserer Gemeinde aus geplante Gottesdienst an Heilig Abend auf der Wiese – mit Esel und Stall – und einem Hygiene-Konzept, das im Freien die Gefahr der Infektion auf ein absolutes Minimum reduzierte, war deshalb leider nicht möglich. So liefen unsere ganzen Vorbereitungen kurz vor Weihnachten ins Leere.
Statt dessen haben wir – dank der Hilfe von Steffen Krause und Christian Sattinger, die bereit waren die Technik zu übernehmen – innerhalb von drei Tagen einen Videogottesdienst zu Heilig Abend hergestellt, der bis jetzt von über 280 Personen gesehen wurde. Ein Dank an dieser Stelle an alle, die spontan bereit waren, bei diesem Gottesdienst mitzuwirken, sei es als Sprecherin oder Sprecher, als Engel oder als Musikerin oder Musiker.
Da die Produktion eines solchen Gottesdienstes aber sehr aufwendig war, konnten wir daraus kein ständiges Projekt für die Zeit des Lockdowns machen. Statt dessen kam die Idee auf, Hörgottesdienste zu produzieren. Zwei dieser Gottesdienste sind auf der Homepage unserer Gemeinde zu finden (wie auch der Online-Gottesdienst zu Heilig Abend).
Mittlerweile können wir zum Glück wieder gemeinsam in der Kirche Gottesdienste feiern. Die Stühle in der Kirche sind so gestellt, dass genügend Abstand zwischen den einzelnen Gottesdienstbesucherinnen und -besuchern besteht. Auch wird die Gefahr einer Ansteckung durch das Tragen eines medizinischen Mund-Nasen-Schutzes während des Gottesdienstes, wie auch durch die verkürzter Form des Gottesdienstes weiter verringert. So hoffen wir, auch die Gottesdienste in der Osterzeit in dieser Form in der Kirche feiern zu können und laden Sie herzlich dazu ein.
Falls es jedoch wieder zu einem Anstieg der Neuinfektionen kommen sollte, werden wir auf die Tradition der Hörgottesdienste zurückgreifen. Sie finden dann zu den Sonntagen und für die Osterfesttage Hörgottesdienste auf der Internetseite unserer Maulburger Gemeinde.
